Mehr Punkte, weniger Panik

Trier · Mit dem Auswärtsspiel am Samstag bei Aufsteiger TuS Metzingen starten die Trierer Handball-Miezen in ihre 13. Bundesligasaison - mit einem neuen Trainer, einem neuen Konzept und einem noch nicht vollzähligen Kader.

Trier. Es soll kein schlechtes Omen sein, dass die Trierer Miezen in ihre 13. Bundesligasaison in Folge gehen. Dreimal in Folge haben sie zuletzt hauchdünn (am letzten oder vorletzten Spieltag) den sportlichen Klassenerhalt geschafft - was aber noch nicht die Ligazugehörigkeit bedeutete.
Denn stets kämpft die MJC auch mit erheblichen finanziellen Problemen. Gehaltszahlungen blieben aus, die Insolvenz drohte - aber irgendwie haben sie es immer wieder hinbekommen, mit Hilfen von Sponsoren oder anderen Förderern. Und irgendwie stand nach den vergangenen Jahren - seit 2007 eigentlich immer - ein Umbruch an. Viele Spielerinnen sind gekommen, die meisten wieder gegangen.
Nun aber soll Konstanz einkehren bei den Trierer Miezen - finanziell und sportlich. Als Ex-Trainer Thomas Happe im Dezember 2011 kündigte, sprang Miezen-Meistermacher Dago Leukefeld ein - eigentlich als kurzfristiger Notnagel. Aber der Thüringer ist geblieben, führte die Mannschaft zum Klassenerhalt und ist nun als Berater verantwortlich für die Suche nach seinem Nachfolger und neuen Spielerinnen.
Den neuen Trainer fand der Verein in Jörn Ilper, einem ehemaligen Bundesligaprofi in Gummersbach, der zuvor beim Männer-Zweitligisten in Korschenbroich tätig war. "Er ist ein unverbrauchtes Gesicht im Frauenhandball, hat gute Ideen, will das Projekt voranbringen - und erfüllt das wichtigste Kriterium, er ist nicht hauptberuflich Trainer", sagt Leukefeld.
Denn in Trier ist man vom professionellen Weg abgegangen, alle Spielerinnen, aber eben auch der Trainer, gehen noch anderen Tätigkeiten nach - oder studieren. Allerdings hat die MJC auch wieder einen Großteil der Mannschaft verloren: Rost, Djeric, Radojicic, Vojcic, Wilamowska - allesamt erst im Vorjahr verpflichtet - sind schon wieder weg, genau wie die langjährigen Miezen Anna Monz (Tor), Eva Lennartz (zum Erzrivalen Weibern) und Kathrin Premm (studienbedingt nach Dortmund).
Den acht Abgängen stehen derzeit erst zwei Neuzugänge gegenüber: Vom Thüringer HC kam Nachwuchs-Torfrau Verena Flöck, vom slowakischen Meister Duslo Sala Kreisläuferin Andrea Czanik. Die beiden Testturniere bestritten die Miezen somit nur mit sieben Feldspielerinnen. Handlungsbedarf gibt es vor allem im Rückraum - doch zwei Lücken sollen schnellstmöglich geschlossen werden. Eine erfahrene spanische Spielmacherin sowie eine Serbin, die ebenfalls in Spanien spielte, haben im Probetraining überzeugt, sollen auch möglichst bald unterschreiben.
Ilper wünscht sich zudem eine weitere Rückraumspielerin, sei es jetzt oder später. Generell ist der Neutrainer bislang zufrieden: "Die Mannschaft ist fitter als im Vorjahr, hat sich vor allem in der Abwehr gesteigert." Begeistert ist er vor allem vom Torhüterduo Flöck/Kockler. Aber alle Beteiligten wissen: Mit diesem Etat und diesem Kader sind keine großen Sprünge möglich - einziges Ziel ist der Klassenerhalt, und der wird schwer genug. Mittelfristig aber will man sich wieder an die Play-off-Plätze heranarbeiten.
Und dann kann begonnen werden, langfristig zu denken - eher kurzfristig wollen die Miezen aber an ihrem Image feilen, wollen verlorenen Kredit bei Sponsoren und Fans zurückgewinnen, wollen den Vorstand verbreitern. Und auf dem Feld überzeugen.
Denn nur mit einer mittelfristigen Strategie und einem besseren finanziellen Unterbau als in den vergangenen Jahren ist Bundesligahandball in Trier möglich - damit die 13. Saison im Oberhaus nicht als die letzte in die Geschichte eingeht.

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