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Miezen am Boden der Tatsachen angekommen

Miezen am Boden der Tatsachen angekommen

Der Trainer ratlos, die Mannschaft auf dem letzten Platz: Die Trierer Miezen konnten auch beim bisherigen Schlusslicht Bad Wildungen nicht gewinnen. Das 22:28 (11:15) in Nordhessen bugsierte die MJC ans Bundesliga-Tabellenende.

Bad Wildungen. Schlafen konnte er danach nicht mehr. "So etwas muss man erst einmal verarbeiten, mit so etwas hatte ich niemals gerechnet", sagt Jörn Ilper am Tag danach. "So etwas", das war für den Miezen-Trainer die 22:28 (11:15)-Niederlage bei der HSG Bad Wildungen, einer Mannschaft, die zuvor in neun Spielen nicht einen Punkt gewonnen hatte. Nach dieser neunten Niederlage in Folge sind die Miezen Letzter - aufgrund der miserablen Tordifferenz von minus 100, was bedeutet, dass die MJC jede der zehn Partien durchschnittlich mit zehn Toren Unterschied verloren hat.
Diese Zahlen sprechen nicht für die Abwehr - und deswegen wurde in der siebenwöchigen Vorbereitung auf das "Abstiegsendspiel" in Bad Wildungen der Fokus auf die Defensive gelegt. "Und die war dann gar nicht so schlecht", befand Ilper, aber: "Dann tut sich plötzlich die nächste Baustelle auf, mit der wir zuvor nie zu kämpfen hatten." 15 hundertprozentige Chancen vergaben die Miezen, vor allem in der spielentscheidenden Phase nach dem 9:10, als die MJC davor stand, die Partie zu kippen, bis zum 12:19 in der 38. Minute. "Viel zu naiv" sei seine Mannschaft vorgegangen, bemängelt Ilper.
Doch plötzlich ergab sich doch noch einmal die Chance. Beim 17:24 nahm der MJC-Trainer seine dritte Auszeit, drei schnelle Trierer Treffer sowie eine Zeitstrafe gegen Bad Wildungen ließen die Hoffnung auf den Erfolg wieder aufkommen. "Aber dann standen wir uns selbst im Weg. Was folgte, war der Schlag ins Kontor", beschreibt Ilper die Phase, die der MJC letztendlich das Genick brach: Zwei vergebene Chancen, zwei Abwehrfehler, 20:26, die Entscheidung, der Rest waren Tränen.
"Ich hatte alles versucht, habe gewechselt, habe die Abwehr umgestellt, aber es hat nicht gereicht", meinte Ilper fast schon hilflos. Im Angriff war die rechte Seite ein Totalausfall, Top-Torschützin Carolin Schmele kam auf nur zwei Treffer, aber die Chancen wurden von allen Positionen gleichermaßen vergeben.
"Wir stecken den Kopf nicht in den Sand", gibt Ilper als Losung aus, am 27. Dezember stehen zwei Trainingseinheiten an, inklusive einem Testspiel gegen den französischen Zweitligisten Yutz. "Wir haben es immer noch selbst in der Hand, in den beiden kommenden Spielen die Weichen auf Erfolg zu stellen", spricht Ilper die Heimpartien gegen Blomberg (30. Dezember, 16 Uhr) und den Drittletzten aus Metzingen (Samstag, 5. Januar, 19.30 Uhr, jeweils Arena) an.
Die nächsten beiden "Endspiele" für Trier - und vielleicht fällt vorher auch noch eine andere, für die Miezen wichtige Entscheidung: Denn am Freitag wird in Bad Wildungen entschieden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Ist das der Fall, steht die HSG als erster Absteiger fest, dann müssten die Miezen nur noch eine Mannschaft sportlich hinter sich lassen, um die Liga zu halten. Aber das Ergebnis von Samstag gibt nicht viele Hoffnungen, wer am Saisonende diese eine Mannschaft sein sollte.
DJK/MJC Trier: Flöck, Kockler, Bocka - Zelmel (4), Czanik (2), Schmele (2), Vallet (4), Adeberg (2), Derbach (0), Solic (3), Jelicic (3/3), Cabeza (2)
Beste Torschützinnen Bad Wildungen: Heusdens (6/3), Vasilescu (5/1)