Miezen: Ein Damoklesschwert und ein altbekanntes Gesicht

Miezen: Ein Damoklesschwert und ein altbekanntes Gesicht

Im letzten Normalrundenspiel sind die Trierer Handball-Miezen heute (19.30 Uhr, Arena) erneut nur Außenseiter. Gast ist die Überraschungsmannschaft aus Metzingen, deren Topspielerin beste Erinnerungen an Trier hat.

Trier. Shenia Minevskaja war fünf Jahre alt, als sie nach Trier zog. Ihre Mutter Svetlana war 1997 der erste große Transfercoup der Miezen, damals noch in der 2. Liga. "Ich war mehr in der Halle und beim Handball als zu Hause", blickt Shenia zurück, deren Mutter zweifache Weltmeisterin und deren Vater in ihrem Geburtsjahr 1992 Olympiasieger war.
Dass sie irgendwann einmal ihre eigene Handballkarriere starten würde, lag in den Genen. 2003 wurde Svetlanas Vertrag als frischgebackene deutsche Meisterin in Trier nicht verlängert, erst ging es für die Familie handball-bedingt nach Rostock, dann nach Erfurt. Im Nachwuchsinternat des THC durchlief Shenia alle Nationalmannschaften - Jugend, Junioren und seit zwei Jahren bei den Frauen. Die WM 2013 war ihr erstes Großereignis - da hatte Shenia dem THC aber schon den Rücken gekehrt, wollte mehr Spielanteile. Und somit wurde die 1,85 Meter große Rückraumspielerin seit Saisonbeginn zum Glücksgriff und Inbegriff des Erfolgs des TuS Metzingen.Beste Torschützin der Liga


Mit 169 Toren führt Minevskaja (21 Jahre jung) die Bundesliga-Torschützenliste vor dem letzten Normalrunden-Spieltag an, bei dem sie auf ihre einzige "Verfolgerin" trifft: Mieze Katrin Schneider, die 159 Tore auf dem Konto hat. Dank Minevskaja hat sich der letztjährige Aufsteiger Metzingen souverän die Qualifikation für die Meisterrunde gesichert, darf sogar vom Europapokal träumen - und ist daher heute Abend (19.30 Uhr) auch der ganz klare Favorit in der Arena.
Auf der anderen Seite scheinen die Miezen das Verletzungspech gepachtet: Nach den langfristigen Ausfällen von Natalie Adeberg (Bänderverletzung am Sprunggelenk) und Franziska Garcia-Almendaris (Abriss der Kreuzbandplastik) droht der Dänin Maria Kroyer ein ähnliches Schicksal: "Wir wissen noch nichts Genaues, das Knie ist noch zu geschwollen, um eine endgültige Diagnose stellen zu können", sagt MJC-Vorstand Jürgen Brech: "Es kann sein, dass die Kniescheibe herausgesprungen war und daher die großen Schmerzen kamen."Comeback von Adeberg?


Kroyer hatte sich am Sonntag bei der Niederlage gegen den Thüringer HC das Knie verdreht, das Damoklesschwert Kreuzbandriss schwebt immer noch über der Rückraumspielerin. "Wenn sie auch noch ausfällt, wäre das im Hinblick auf die Abstiegsrunde eine echte Katastrophe", sagt Co-Trainerin Jana Arnosova, die gegen Metzingen definitiv ohne Kroyer planen muss. Einziger kleiner Lichtblick ist, dass Natalie Adeberg wieder mittrainiert. "Vielleicht sind ein paar Minuten drin, aber wir wollen sie vor der Abstiegsrunde nicht verheizen", sagt Arnosova.
Wie ´beim 25:32 im Hinspiel werden die Miezen laut ihrer Co-Trainerin auch heute Minevskaja nicht in Manndeckung nehmen: "Wir haben so wenige Wechselmöglichkeiten, dass wir uns auch in der Abwehr die Kräfte einteilen müssen. Und im Hinspiel haben wir sie auch so ganz gut ausgeschaltet." Da erzielte Minevskaja "nur" sechs Tore. BP
DJK/MJC Trier (Kader): Kockler, Flöck, Vogt - Sattler, Pötters, Kordel, Irsch, Mohr, Derbach, Pilmayer, Vallet, Schneider, Czanik, Adeberg (?)