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Miezen funken Alarmstufe Rot

Die Partie gegen Nürtingen war nicht nur für Miezen-Kreisläuferin Andrea Czanik ein harter Aufprall – ihr Team taumelt abwärts. TV-Foto: Hans Krämer
Die Partie gegen Nürtingen war nicht nur für Miezen-Kreisläuferin Andrea Czanik ein harter Aufprall – ihr Team taumelt abwärts. TV-Foto: Hans Krämer FOTO: (g_sport
TRIER. Vor acht Wochen noch Tabellenzweiter, nun nur noch sechs Punkte vor einem Abstiegsplatz: Gegen Nürtingen haben die Trierer Handballerinnen ihr sechstes Spiel in Folge verloren. Björn Pazen

TRIER Cristina Cabeza ist eine emotionale Trainerin, während des Spiels an und auf der Miezen-Bank und auch nach den Spielen in ihren Analysen. Die Spanierin, die fast schon traditionell eine Gelbe Karte für ihre Diskussionen mit den Schiedsrichtern erhalten hatte, war am Samstagabend nach dem Abpfiff völlig aufgewühlt: "Ich weiß auch nicht mehr, wie ich die Spielerinnen motivieren soll. Ich weiß auch nicht, was wieder passiert ist. Mit einer solchen Einstellung gewinnen wir kein Spiel mehr in dieser Saison", sagte Cabeza in der öffentlichen Pressekonferenz nach dem 26:34 (13:13) der Trierer Handball-Miezen gegen die TG Nürtingen.Es war die vierte Heimniederlage in Folge, die sechste Niederlage in Serie, die siebte Niederlage in den letzten acht Spielen. Seit dem 31:28 am Fastnachtssamstag gegen Zwickau (als man Tabellenzweiter war und sich plötzlich mit dem Thema Bundesliga-Aufstieg befassen musste) wartet der Zweitligist nun auf ein Erfolgserlebnis in der heimischen Arena. Nach dem neuerlichen Debakel ist Trier zwar weiter Tabellensiebter, der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz beträgt aber nur noch sechs Punkte. "Dem Verein droht die 3. Liga", sagt Cabeza: "Ich kämpfe bis zum Schluss, dass das nicht passiert.""Ich kann mir diese Leistung nicht erklären." Fast wortgleich äußerten sich Vorstand Jürgen Brech und Andrea Czanik, die erfahrenste Mieze, zur neuerlichen Niederlage. "Nächste Woche wird es besser, versprochen", sagte Czanik. Dann geht es gegen den Tabellennachbarn Kleenheim. Für Cabeza ist ein Grund für diesen Totalabsturz nach toller Vorrunde die Verkündung, dass sie nächste Saison die Mannschaft nicht mehr trainieren wird. Genau nach dem Sieg gegen Zwickau - zeitlich zumindest passt diese These. Die Spielerinnen aber verneinen (natürlich), dass sie gegen den Verein oder gegen die Trainerin spielen - schließlich wollen alle in der kommenden Saison einen Vertrag haben, egal, ob in Trier oder woanders.Brech hat neben dem kleinen Kader, dem fehlenden Glück und einigen Verletzungen einen weiteren Grund ausgemacht, der ihn seit Wochen nervt: die Schiedsrichterleistungen. Und tatsächlich war Trier in den vergangenen Wochen nicht begünstigt worden. Am Samstag kassierte die MJC in einem fairen Spiel sechs Zeitstrafen (inklusive Rot für Maja Zrnec) - zumindest drei, vier waren diskussionswürdig. Der Knackpunkt der Partie, in der die MJC 8:4 und 11:7 geführt hatte und mit einem 13:13 in die Kabinen ging, waren zwei Zeitstrafen binnen kürzester Zeit. Nürtingen setzte sich in doppelter Überzahl erstmals auf drei Tore ab, brach den MJC-Widerstand. "Die Schiedsrichter waren aber nicht der Hauptgrund", betont Trainerin Cabeza.Ihren Spielerinnen fehlen einfach die Konstanz - zum Beispiel ist Linsey Houben seit Wochen von ihrem Topniveau entfernt - und die Cleverness in der Defensive. So konnte Ex-Bundesligaspielerin Verena Breidert 13 Tore für Nürtingen erzielen, ohne auf große Gegenwehr zu treffen. Da halfen auch zehn Treffer der konstant starken Ungarin Dora Simon-Varga nichts, auch Joline Müller bestätigte ihre derzeit gute Form mit sechs Treffern. Beim 21:26 war die Messe gelesen, am Ende wurde es ein ähnliches Debakel wie beim 21:31 gegen Ketsch.Und dass solche Leistungen nicht unbedingt für ein steigendes Faninteresse sorgen, zeigen die weniger als 400 Zuschauer, die am Samstag in die Arena kamen. DJK/MJC Trier: Kockler, Eckelt - Petrovska (0), Greinert (0), Sattler (0), Houben (1), Czanik (2), Müller (6), Weibelova (2), Zrnec (2), Simon-Varga (10/5), Welter (3) - Beste Torschützinnen Nürtingen: Breidert (13/4), Wieder (8/3)