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Frauen-Handball
Zwei Geschenke, kein Punkt: „Froh, wenn es endlich vorbei ist“

Die Trierer Miezen haben sich am Samstagabend vor dem Spiel gegen Halle-Neustadt mit sechs Flaschen Bier bei Interimstrainer Ralf Martin dafür bedankt, dass er Ende März eingesprungen ist.
Die Trierer Miezen haben sich am Samstagabend vor dem Spiel gegen Halle-Neustadt mit sechs Flaschen Bier bei Interimstrainer Ralf Martin dafür bedankt, dass er Ende März eingesprungen ist. FOTO: TV / Björn Pazen
TRIER. Handball: Zweitliga-Miezen verlieren auch letztes Heimspiel unter Interimstrainer Ralf Martin, während Gegner Halle-Neustadt den Aufstieg feiert.

Während auf der einen Seite der Arena Trier der Sekt in rauen Mengen in die Luft schoss oder in den Mündern der Spielerinnen landete, verabschiedeten sich die anderen artig, aber mit hängenden Köpfen von ihren Fans: Union Halle-Neustadt machte mit dem 27:19-Erfolg in Trier den Aufstieg in die Frauen-Handball-Bundesliga perfekt, und die Miezen verloren auch das finale Heimspiel unter ihrem Interimstrainer Ralf Martin.

Während sich Gästetrainerin Bianka Eckardt vornehm bedankte, dass die Trierer als tolle Gastgeber ihnen die Party erlaubten, war Martin sichtlich angefressen:  „Noch ein Spiel, dann ist diese verkorkste Saison Gott sei Dank zu Ende. Dank an die Fans, die uns so toll unterstützt haben, auch wenn wir ihnen nur wenige Punkte bescheren konnten.“

Wieder einmal hatten die Miezen verloren, wieder einmal hatten sie eine Führung aus der Hand gegeben, wieder einmal waren sie in der Schlussphase eingebrochen. „Wir sind gut gestartet, hatten Halle bis zur Pause den Zahn gezogen, die Abwehr stand gut – und so wollten wir auch weiterspielen. Aber wir haben das nur bis zur 35. Minute geschafft. Uns ging die Puste aus, da kam nichts mehr“, konstatierte Ralf Martin. Worte, die er zum wiederholten Mal in den Mund nehmen musste, denn zuletzt waren die Miezen immer an der eigenen Physis gescheitert – ein wichtiger Ansatz für den neuen Trainer oder die neue Trainerin. Wer dies sein wird, ist auch nach dem letzten Heimspiel völlig offen.

Aber immerhin geht es für die Miezen in der 2. Liga weiter, trotz nun neun Niederlagen aus den vergangenen zehn Spielen. Der Klassenerhalt stand schon vorher fest, weil Hannover-Badenstedt sich aus der 2. Liga zurückzieht. Trotz der Niederlage gegen Halle bleiben die Miezen vor dem letzten Saisonspiel in Zwickau zwei Punkte vor dem ersten sportlichen Abstiegsplatz, weil Hannover ebenfalls verlor.

Dabei hatten die Miezen bis zur Pause nicht nur mitgehalten, sondern die Partie sogar bestimmt. Dank der anfangs starken Vesna Tolic sowie Joline Müller (mit sieben Treffern beste Trierer Werferin) lag die MJC ab dem 9:8 vorne, zur Pause hieß es 12:11 – auch dank Torfrau Yuko Minami, die neun Würfe in den ersten 30 Minuten abwehrte.

Doch danach legten die Gäste los wie die Feuerwehr: Während die Miezen viermal in Folge Pfosten oder Latte trafen oder dann an der starken Torfrau Julia Plöger (insgesamt 16 Paraden) scheiterten, war  Halles Dänin Helena Mikkelsen unaufhaltsam. Dank ihrer Treffer setzten sich die Gäste auf 21:15 (49. Minute) ab, vorentscheidend war eine 5:1-Serie der „Wildcats“ gleich nach dem Seitenwechsel. Zudem kam die MJC mit der aggressiven und äußerst beweglichen Deckung von Halle-Neustadt überhaupt nicht zurecht.

Vor der Partie hatten sich der Vorstand der MJC (mit einer Foto-Collage) sowie die Mannschaft (mit sechs Flaschen Bier) bei Martin dafür bedankt, dass er für Andy Palm eingesprungen war, der Ende März entlassen worden war. „Schön, dass er dem Verein in anderer Funktion erhalten bleibt“, sagte MJC-Vorstand Jürgen Brech. „Er hat tolle Arbeit geleistet, auch wenn wir unter ihm manchmal bluten mussten“, ergänzte Mieze Hannah Sattler, stellvertretend für ihr Team.

DJK/MJC Trier: Minami, Eckelt – Petrovska (0), Sattler (1), Houben (1), Czanik (1), Tolic (5), Smits (0), Müller (7/2), Sabo (3/1), Zrnec (0), Constantinescu (0), Welter (1) – Beste Werferin Halle: Mikkelsen (9/3).