Miezen-Trainerin sieht die Entwicklung des regionalen Frauenhandballs mit Sorge

Frauen-Handball : „Keiner blickt mehr über seinen Tellerrand“

Vor dem Spiel in Ketsch sieht Miezen-Trainerin Vereschako die Entwicklung des regionalen Frauenhandballs mit Sorge.

Wie tief sinkt der regionale Frauenhandball, sollten die Miezen in die 3. Bundesliga absteigen? Das ist für MJC-Trainerin Elena Ve­reschako vor dem Duell beim designierten Erstligisten Kurpfalz-Bären aus Ketsch am Sonntag (Anwurf 16 Uhr) wichtiger als die scheinbar aussichtlose Partie selber. In der Hoch-Zeit der Miezen vor rund zehn Jahren war Elena Vereschako die Trainerin der 2. Miezen-Mannschaft, gespickt mit vielen Talenten aus der Großregion, die es später bis in die Bundesliga schafften – wie Caroline Thomas oder Kate Schneider, die heute gerade dabei ist, den nächsten Miezen-Gegner als Trainerin in die 1. Liga zu führen. Zudem war Vereschako für den DHB-Stützpunkt Trier, den es schon lange nicht mehr gibt, und die Landesauswahl zuständig. Sie kennt sich also aus in der Region, im Handballverband Rheinland und in Rheinland-Pfalz.

„Wir sind im regionalen Frauenhandball doch alle am Abgrund angekommen, sieht man einmal von FSV Mainz 05 ab, der vom Geld des Fußballvereins profitiert“, sagt die Miezen-Trainerin, die vor allem ein Problem ausgemacht hat: „Es gibt keine Zusammenarbeit mehr unter den Verein. Jeder Club, der ein Talent hat, ist doch nicht bereit, diese Spielerin abzugeben, statt ihr zum Beispiel die Chance zu geben, sich bei uns in der 2. Liga zu entwickeln. Kein Verein ist in der Lage, mal über den Tellerrand zu schauen. So lässt sich das Niveau nirgendwo steigern, die Situation ist überall schwierig.“

Als Vergleich führt Vereschako die Kurpfalz-Bären an: „Ich drücke meiner ehemaligen Spielerin Kate Schneider absolut die Daumen, dass es mit dem Aufstieg klappt. Sie arbeitet in einem tollen Verein mit einem professionellen Umfeld, der es schafft, trotz starker Konkurrenz zum Beispiel aus dem Stuttgarter Raum, viele Talente zu binden. Davor ziehe ich den Hut.“ Allerdings geht Vereschako davon aus, dass sich Ketsch in der Bundesliga nur halten könne, wenn man einige erfahrene Spielerinnen dazu verpflichtet: „Nur Talente reichen da nicht.“

Während Ketsch als einer von drei Vereinen – neben Mainz und Waiblingen – auch eine Erstligalizenz beantragt hat und aktuell Tabellenzweiter hinter Rosengarten ist, stehen die Miezen nach zuletzt zehn Niederlagen in Folge immer noch am Tabellenende. Weil Erstligist Nellingen nur für die 3. Liga meldet, würde schon der drittletzte Platz reichen, um die 2. Liga zu halten. Doch auf Bremen hat Trier bereits fünf Punkte Rückstand. Sollte das Gerücht stimmen, dass ein Zweitligist überlegt, freiwillig in die 3. Liga zu gehen, wäre es möglicherweise schon der vorletzte Platz. „Aber an solchen Gerüchten beteilige ich mich nicht“, sagt Vereschako. Viel wichtiger ist ihr, dass ihre Mannschaft die Saison nicht ohne weitere Siege beendet: „Wir waren zuletzt immer nahe dran, aber es fehlte uns immer an Disziplin und Qualität.“

Dass es ausgerechnet in Ketsch mit einem Sieg klappt? Selbst das sieht die MJC-Trainerin nicht unrealistisch: „Im Hinspiel haben uns zehn schwache Minuten um den Sieg gebracht, und die letzten vier Punkte hat Ketsch ausgerechnet zu Hause abgegeben.“

Die Miezen können fast in Bestbesetzung in die Kurpfalz reisen, einzig die mazedonische Kreisläuferin Angela Petrovska fehlt auch nach zweiwöchiger Spielpause weiterhin mit einem Muskelfaserriss in der Wade.

DJK/MJC Trier (Kader): Eckelt, Baranowska - Sattler, Zrnec, Tolic, Szabo, Czanik, Simon-Varga, Ilciukaite, Houben

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