Mini in der Wüste ganz groß

Mini in der Wüste ganz groß

Triumph für ein deutsches Team, Jubiläumssieg für einen französischen Abenteurer und ausgelassener Jubel bei einer ehemaligen Handballerin der Trierer Miezen: Der Erfolg von Stephane Peterhansel im Mini All4 Racing bei der Rallye Dakar hat bei allen Beteiligten nach strapaziösen Wochen für Erleichterung gesorgt.

Lima/Trier. "Ich kann noch nicht durchatmen. Erst wenn ich oben auf dem Podium stehe, fällt die Belastung ab." Auch am Samstagabend, als Stephane Peterhansel die vorletzte Etappe der vierten Südamerika-Dakar gewonnen hatte und nur noch ein 29 Kilometer langes Schaulaufen vor den Toren der peruanischen Hauptstadt Lima anstand, war der Franzose skeptisch. Einen Tag später stand er dann dort wirklich. Es war sein insgesamt zehnter Triumph. Sechsmal hatte er zuvor zwischen 1991 und 1998 auf dem Motorrad triumphiert, dreimal (2004, 2005 und 2007) im Auto.
Dass Peterhansel nicht nur kühlen Kopf behielt, sondern auch entspannt und locker auf die entscheidenden Etappen der fast 9000 Kilometer langen Tortur durch Argentinien, Chile und Peru ging, hatte er auch Anja Gläsener zu verdanken. Die Spielführerin der Meistermannschaft der Trierer Handballerinnen aus dem Jahr 2004 war zum zweiten Mal als Physiotherapeutin im siegreichen Team des hessischen Unternehmers Sven Quandt in Südamerika mit von der Partie. "Das ist einfach nur geil. Wir haben es verdient, weil alle im Team für diesen Erfolg mitgearbeitet haben", befand sie über den Doppelsieg (Zweiter wurde der Katalane Nani Roma) der grellbunten Mini.
Deutscher auf Rang drei


Nach dem Verzicht von Volkswagen Motorsport in diesem Jahr war das X-Raid-Team als großer Favorit in die zweiwöchige Abenteuer-Odyssee durch Wüstenstaub und Anden-Schluchten gegangen. Rang drei ging an den Karlshofer Dirk von Zitzewitz, der den Südafrikaner Giniel de Villiers im krachneuen Toyota Hilux auf das Podium navigierte. Von den 174 gestarteten Fahrzeugen kamen mehr als 100 Fahrzeuge nicht im Ziel an.
Gleich zu Beginn hatte die umstrittene Wüstenrallye das 61. Todesopfer ihrer Geschichte beklagen müssen. Der argentinische Motorradfahrer Jorge Martinez Boero war schon auf der ersten Etappe schwer verunglückt und seinen Verletzungen erlegen.
Neben den wuchtigen Hummer von Robby Gordon und Nasser Al-Attiyah machten sich im Schatten von X-Raid etliche neue Gesichter daran, den Wettlauf durch Staub und Hitze in den kommenden Jahren neu zu beleben.
Ford und Toyota planen offenbar, werksseitig in das Wüstengeschäft einzusteigen. Mitsubishi, das 2001 mit Jutta Kleinschmidt im Pajero die bisher einzige Frau als Siegerin stellte, entwickelt nach Insider-Informationen ebenfalls ein neues Fahrzeug.
2013 wird die Route den umgekehrten Weg nehmen: Start ist in Lima, anschließend geht es durch Argentinien und Chile zum Ziel, das in der Hauptstadt Santiago de Chile sein wird.
Die Mensch und Material fordernde und nicht ungefährliche Mischung aus Motorsport, Abenteurerlust und dem Reiz am Unwägbaren hat offensichtlich nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

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