Schweiß, Hierarchien und Nähe zu den Fans

Heute um 18 Uhr ertönt mit der ersten Trainingseinheit der "Startschuss" für die neu formierte "Miezen"-Mannschaft. Im TV-Interview erläutert Trainerin Ildiko Barna die Ziele der Vorbereitung und der Saison.

 Geht in ihre zweite Spielzeit mit den Trierer Miezen: Trainerin Ildiko Barna. TV-Foto: Archiv/Funkbild

Geht in ihre zweite Spielzeit mit den Trierer Miezen: Trainerin Ildiko Barna. TV-Foto: Archiv/Funkbild

Trier. (BP) Zwei Monate schweißtreibendes Training, über 20 Testspiele - so sieht das Programm der "Miezen" bis zum Saisonstart am 6. September aus. Im Interview mit TV-Redakteur Björn Pazen gibt Trainerin Ildiko Barna "mehr Leidenschaft, mehr Tempo und einen Play-off-Platz" als Ziele für die neue Saison vor. Die Mannschaft wurde erheblich verjüngt, daher werde sich auch die Hierarchie im Team ändern.

Heute geht es los - sind alle Spielerinnen fit?

Barna: Alle sind gesund, alle sind fit, hoffentlich haben auch alle ihre "Hausaufgaben" gemacht. Neuzugang Anne Jochin spielte bis gestern noch bei der Hochschul-DM - ich hoffe, sie blieb unverletzt.

Exakt zwei Monate haben Sie Zeit, das Team auf das erste Saisonspiel vorzubereiten. Wo liegen die Schwerpunkte?

Barna: Nicht nur wegen des Wetters werden die Spielerinnen reichlich schwitzen. Der komplette Juli steht im Zeichen von Ausdauer, Kraft und später Schnelligkeit. Wir werden den Ball so gut wie nicht zu sehen bekommen. Am 31. Juli steht dann ein erstes Testspiel gegen Göppingen an. Im August legen wir dann größten Wert auf Spiele, um die Mannschaft einzuspielen und zu formen. Wir starten bei den Turnieren in Wittlich und Bascharage und werden 20 Testspiele absolvieren. Zudem findet vom 16. bis 18. August ein Trainingslager in Leichingen bei Stuttgart statt.

Die MJC hat sich von vielen erfahrenen Spielerinnen getrennt, viele junge Neuzugänge wurden verpflichtet. Muss das Team nun komplett neu aufgebaut werden?

Barna: Ja, das ist jetzt der totale Umbruch, alles muss neu aufgebaut werden. Wichtig wird es sein, wie schnell wir Anne Jochin, die unser Spiel lenken und führen soll, integrieren. In der jungen Mannschaft wird es komplett neue Hierarchien geben, die müssen sich erst herausbilden. Spielerinnen wie Svenja Huber, Nadja Nadgornaja oder Megane Vallet, die letzte Saison schon hier waren, müssen mehr Verantwortung übernehmen. Es gibt jetzt keine Ausreden mehr, alle erhalten ihre Chance.

Wird es bei Ihnen eine Stamm-Sieben geben - oder setzen sie auf die Breite des Kaders?

Barna: Natürlich gibt es einen Kern der Mannschaft, aber gerade die jungen Spielerinnen wie Kathrin Schneider, Caroline Thomas, Eva Lennartz und Judith Derbach werden ihre Anteile bekommen. Es wird einen echten Konkurrenzkampf geben, es gibt keine Stammplatz-Garantien. Wir haben vielleicht weniger Erfahrung als die Konkurrenz, aber dies wollen wir durch jugendliche Impulse, Leidenschaft und Kampfgeist kompensieren.

Daniela Vogt und Anna Monz - wer ist die neue Nummer eins im Tor?

Barna: Das entscheidet die Vorbereitung, es gibt für mich momentan keine Nummer eins. Daniela hat eine große Erfahrung, aber spielte die vergangene Saison nicht in der Bundesliga, Anna muss sich entwickeln - alles ist offen.

Offen ist auch noch eine Position im Kader. Mit welcher zusätzlichen Rückraumspielerin gehen Sie in die Vorbereitung - einem Neuzugang oder Silvia Hofman, deren Vertrag noch nicht verlängert wurde?

Barna: Diese Entscheidung fällt in dieser Woche. Es gibt einige Spielerinnen auf dem Markt, aber wir sprechen natürlich auch noch mit Silvia.

Wie lauten die Ziele für die neue Saison?

Barna: Wir wollen als Erstes die Liga halten, aber wir hoffen natürlich darauf, dass wir unter die ersten acht kommen und uns für die Play-offs qualifizieren. Die Liga wird ähnlich eng sein wie in der vergangenen Saison.

Welche spielerischen Neuerungen darf man erwarten?

Barna: Es wird sich taktisch einiges ändern. Wir wollen mit viel mehr Tempo spielen als vergangene Saison, dafür sind die jungen Spielerinnen ideal. Wir wollen mehr einfache Treffer durch Tempogegenstöße erzielen, zudem werden wir flexibler in der Abwehr stehen, weil wir im Gegensatz zum Vorjahr nicht so viele Wechsel Abwehr/Angriff machen werden. Wir wollen attraktiven Handball zeigen und damit unsere Fans begeistern. Ich verlange hundertprozentigen Einsatz. Man muss alles geben, dann kann man auch verlieren, ohne dass die Fans unzufrieden sind.

Im Vorjahr gab es auch Kritik an einigen Ihrer taktischen Entscheidungen - welche Lehren haben Sie aus Ihrer ersten Saison in Trier gezogen?

Barna: Weil wir zu wenige einfache Tore erzielten, mussten wir uns jeden Treffer hart erarbeiten. Daher fehlten am Ende oft Kraft und Konzentration, was unsere knappen Niederlagen und Einbrüche erklärt. Wir werden daher viel Wert auf Fitness und schnelle Tore legen. Zudem müssen wir die Verantwortung auf viel mehr Schultern verteilen, und ich muss bei den Wechseln darauf achten, dass alle Spielerinnen so eingesetzt werden, dass am Ende die Kräfte reichen.

Sie sprachen die Identifikation mit den Fans an. Was machen die "Miezen", um mehr Zuschauer anzulocken - und diese zufriedenzustellen?

Barna: Unser Ziel sind 1500 Zuschauer pro Spiel in der Arena. Wir müssen mehr Nähe zu den Fans suchen, sei es nach unseren Spielen, sei es bei Freundschaftsspielen oder Autogrammstunden. Als Erstes zählen natürlich Leistung und Erfolg, aber wir müssen auch mehr Werbung in eigener Sache machen. Mit den Stadtwerken planen wir eine Plakatkampagne in der Stadt, wir müssen die Gesichter bekannter machen. Zudem haben wir die Chance, durch die jungen Spielerinnen aus unserem eigenen Nachwuchs die regionale Identifikation zu stärken. Das wollen wir nutzen.