Setzen, Eins!

Auf Andrea Czanik, Neuzugang bei den Trierer Bundesliga-Handballerinnen, lastet im Team viel Verantwortung. Die slowakische Kreisläuferin ist mit der bislang mageren Punkteausbeute alles andere als zufrieden. Größere Erfolge kann die junge Mutter dagegen außerhalb des Handballfelds vermelden.

Kasel. Am Montag feiert Andrea Czanik ihren ersten Geburtstag - in Deutschland. Fernab der slowakischen Heimat. Für ihre Mitspielerinnen hat die 32-Jährige eine Motivationsspritze parat: "Wenn wir heute das Pokalspiel in Nellingen gewinnen, mache ich eine Party." Aufgetischt werden sollen landestypische Spezialitäten. Etwa "Bryndzove Halusky", ein slowakisches Nationalgericht. Eine Kombination aus Kartoffelteig-Nocken, Schafskäse und Speck.
Nur drei Koffer dabei


Andrea Czanik ist heimatverbunden. Gleichzeitig akklimatisiert sie sich in einem atemberaubenden Tempo in Deutschland. Gerade einmal dreieinhalb Monate ist sie bei den Trierer Miezen - und ihr Deutsch ist bereits sehr gut. Dafür tut Czanik einiges. Jeden Tag drei Stunden Unterricht. Dazu Selbststudium. Ihr ständiger Begleiter ist ein dickes Wörterbuch. Kürzlich hat sie ihren ersten Test geschrieben. Die Note: eine glatte Eins.
Wenn sie die deutsche Sprache noch perfekter beherrscht, will sie ab Januar einen Job übernehmen. Laut MJC-Vorstand Jürgen Brech ist ein Engagement im Rahmen der Sportkurse mit der Handwerkskammer Trier denkbar. Mit ihrem Mann (arbeitet bei einer Möbelspedition) und Töchterchen Nina (fünf Jahre, bereits eingeschult) wohnt Czanik in einer kleinen Doppelhaushälfte in Kasel (Kreis Trier-Saarburg). Dank Beziehungen und eines "Möbel-Fundus" der Miezen sind die Räume nicht nur zweckmäßig eingerichtet. Keine Selbstverständlichkeit. Czanik: "Als ich nach Deutschland kam, hatte ich lediglich drei Koffer dabei. Ich hatte kein Glas, kein Messer, keinen Löffel."
Schnell hat die Familie Anschluss gefunden, Czanik genießt es, mit ihrer Tochter in den nahe gelegenen Weinbergen spazieren zu gehen. Ihr persönliches Glück wäre noch größer, würde sie mit den Miezen in der Tabelle besser dastehen. Zwei Punkte, vorletzter Platz - so hat sich die Kreisläuferin ihren Start nicht vorgestellt. "Es ist traurig, dass es bisher nicht besser läuft. Wir haben keine schlechte Mannschaft, aber wir machen zu viele Anfängerfehler", sagt Czanik, die als routinierte Spielerin mithelfen soll, die unerfahreneren Kräfte zu führen.
Die Umstellung für die 32-Jährige, die später Jugendtrainerin werden möchte, ist groß: "Der Handball in Deutschland ist viel schneller, teilweise auch hektischer als in der Slowakei." In Trier muss sie zudem lernen, auch mal mit herben Niederlagen umzugehen: "40 Gegentore zu bekommen, das ist eine Katastrophe." In der Slowakei gewann Czanik mit ihrem Ex-Verein HK Slovan Duslo Sala fünf Meisterschaften. Geboren wurde sie in Zilina. Sportlicher Ehrgeiz wurde ihr in die Wiege gelegt. Ihr Vater war ein sehr guter Fußballer. Als Siebenjährige begann die passionierte Skifahrerin mit dem Handballspielen, den ersten Profivertrag gab es mit 16.
Früh musste sie mit Verletzungen kämpfen: "Im Alter zwischen 15 und 19 hatte ich acht Knie-Operationen, weil ich mir zu viel zugemutet hatte", sagt Czanik, die heute keine Probleme mehr verspürt.
Bei der DJK/MJC Trier hat sie einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet. Ihre Ziele sind vorerst bescheiden: "Ich möchte nicht in der zweiten Liga spielen."Extra

Chance zur Revanche: In der zweiten Runde des DHB-Pokals gastiert die DJK/MJC Trier heute Abend beim Zweitligisten TV Nellingen (20 Uhr, Sporthalle Ostfildern). 2010 und 2011 waren die Schwaben jeweils nur knapp am Erstliga-Aufstieg gescheitert. "Wir müssen uns langmachen, um eine Runde weiter zu kommen", sagt Miezen-Trainer Jörn Ilper. Trier sollte gewarnt sein. In der Vorsaison verlor die MJC im Pokal in Nellingen deutlich mit 28:35 (11:20). Ein Wiedersehen gibt es mit Lucy Wilamowska, die im Sommer von Trier nach Nellingen gewechselt ist. bl