Sie will doch nur spielen

Mit 123 Treffern ist Carolin Schmele Zweite der Bundesliga-Torschützenliste, aber das ist der Mieze (22) egal. Viel lieber würde sie den Ruf der "Unabsteigbaren" manifestieren. Heute (19.30 Uhr) geht es im Abstiegskampf gegen Bayer Leverkusen.

Trier. Chhunly Pagenburg, Nate Linhart, Carolin Schmele - derzeit die Ausrufezeichen des Trie-rer Mannschaftssports, die "Lebensversicherungen" der drei Vereine Eintracht, TBB und Miezen. SVE-Stürmer Pagenburg (18 Saisontreffer) hat gerade seinen Sprung in die zweite Liga bekanntgegeben, TBB-Topscorer Linhart hat nicht erst nach seiner 27-Punkte-Gala gegen Bonn Angebote von Topclubs - und Schmele? Mit 123 Toren erzielte sie knapp ein Viertel aller Miezen-Treffer, traf öfter als die dahinter liegenden Lena Zelmel (62) und Nathalie Adeberg (60) zusammen, und eigentlich wäre sie jetzt schon in Kanada. Doch eine glückliche Fügung wollte es, dass sie ihr Pflichtpraktikum zum Abschluss ihres bilingualen BWL-Studiums (deutsch/französisch) jetzt in Luxemburg und nicht auf der anderen Seite des Atlantiks absolviert und der MJC im Abstiegskampf zur Verfügung steht. Drei Monate arbeitet die 22-Jährige nun bei einer Bank - und danach? "Ich konzentriere mich nur auf das Hier und Jetzt." Im Dezember 2011 war die gebürtige Oldenburgerin dank ihres Studiums in Metz in Trier gelandet. Die frühere Junioren-Nationalspielerin (vorher Oldenburg, Metz und Blomberg) wollte "nur Handball spielen". Innerhalb eines Jahres wurde sie zur Hoffnungsträgerin, zur Leitfigur. Eine Rolle, die Schmele eigentlich nicht mag: "Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich lieber Anspielerin als Vollstreckerin bin." Aber manchmal ist ihr die Verantwortung zu viel: "Ich bin doch erst 22!" Zudem hasst sie die von vielen Gegnern angewandte Manndeckung wie die Pest: "Ich treibe Sport, um zu spielen, nicht um außen vor gelassen zu werden."Führung und Selbstvertrauen

Dabei beschäftigt sich die Rückraumspielerin eigentlich überhaupt nicht mit der Torschützenliste, die sie derzeit auf Rang zwei einen Treffer hinter Lois Abbingh (Oldenburg) führt. "Ich bin erst vor ein paar Wochen darauf gestoßen, dass ich so weit oben stehe. Aber ehrlich gesagt ist mir das völlig egal. Leider zeigt die Torschützenliste auch, wie sehr das Trierer Spiel auf mir lastet." Die gute Seite der Last hat Schmele aber auch erkannt: "In Sachen Führung und Selbstvertrauen habe ich enorm zugelegt." Obwohl sie derzeit die erfolgreichste deutsche Torschützin der Liga ist, hat sich Bundestrainer Heine Jensen noch nicht gemeldet. Dafür aber wohl andere Klubs, doch zu diesem Thema schweigt Schmele: "Mein Fokus liegt voll und ganz auf dem Klassenerhalt, völlig egal, ob ich danach in Trier bleibe oder nicht." Denn eines hat sich Schmele auf die Fahnen geschrieben: "Mein Ego könnte einen Abstieg nur schwer verkraften." Und daher wird sie auch heute beim Spiel gegen Bayer Leverkusen (siehe Extra) alles geben. "Wir brauchen noch drei Punkte, und irgendwie werden wir die auch bekommen. Und sei es am letzten Spieltag." Ihre Marschroute bis zum Showdown am Ostersamstag: "Wenn wir clever genug sind, bleiben wir auch erstklassig." Extra

Wenn es um nicht so viel ginge, wäre es ein schönes Treffen unter Freunden: Miezen-Trainer Jörn Ilper und Leverkusens Trainerin Heike Ahlgrimm kennen sich schon lange, haben zusammen die A-Lizenz absolviert. Doch die Freundschaft wird heute (Anwurf 19.30 Uhr, Arena) für 60 Minuten ruhen. Trier braucht jeden Punkt im Abstiegskampf, Bayer im Rennen um Platz fünf in Sachen Playoffs. Nach einer Durststrecke hat sich Leverkusen wieder gefangen, ist für Ilper sogar ein Geheimfavorit um den Meistertitel, im Hinspiel gab es eine 27:39-Klatsche. Drei Punkte braucht die MJC mindestens noch, um die Liga zu halten. "Die Chancen stehen bei 50:50", sagt Ilper, dessen Augenmerk vor allem auf Ex-Mieze Laura Steinbach liegt. Die erneut lautstarke Unterstützung von den Rängen ist der MJC (die mit Ausnahme von Torfrau Jessica Kockler in Bestbesetzung antritt) wieder gewiss, denn schon über 700 Tickets wurden für das heutige vorletzte Heimspiel der Saison bereits reserviert. BP DJK/MJC Trier (Kader): Flöck, Bocka - Derbach, Jelicic, Cabeza, Adeberg, Schmele, Vallet, Zelmel, Solic, Czanik