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Sissi - Lehrjahre einer Torfrau

Sissi - Lehrjahre einer Torfrau

Ihre Haarfarbe war schon lila, blond und rot: Verena Flöck bringt nicht nur äußerlich Leben in die Bude. Die 20-jährige Torhüterin ist eine Frohnatur. Trotz der sportlichen Misere bei Handball-Bundesligist DJK/MJC Trier bläst die Wienerin keine Trübsal.

Trier. Tafelspitz mit Semmelkren, Topfenstrudel, Palatschinken: Als Exil-Wienerin in Deutschland könnte man kulinarisch manches vermissen. Verena Flöck ist da anders gestrickt: Der Miezen-Torfrau fehlen andere Dinge an der Mosel: Der Lieblings-Weichspüler und die Lieblings-Schminke aus der heimischen Lieblings-Drogerie. "Die Sachen muss ich mir immer von meiner Familie schicken lassen", bekennt Flöck.
Wenn die 20-Jährige spricht, ist ihre österreichische Herkunft hörbar. Alt-Wienerisch kommt ihr aber nicht über die Lippen. "Meine Freunde regen sich sogar darüber auf, dass ich zu Hochdeutsch rede", sagt Flöck, die keine Lautsprecherin ist. Sie schreit ihre Vorderleute auf dem Handballfeld nicht an. Eine Schwäche? "Nicht unbedingt. Es gibt halt verschiedene Typen. Ich denke, auch so Einfluss nehmen zu können."
Dass die Abstimmung im Defensivverbund der Miezen besser werden muss, ist indes unzweifelhaft. Vier Mal mehr als 40 Gegentore, drei Mal mehr als 30 - frus trierende Zahlen für eine Torfrau, unabhängig von der Frage eigener Mitschuld. Flöck: "Wir nehmen die Situation nicht auf die leichte Schulter, dürfen uns aber auch nicht runterziehen lassen."
Während der EM-Pause haben die Miezen Zeit, sich neu zu sammeln. Viele Gelegenheiten, tagsüber zu sehr ins Grübeln zu geraten, hat Flöck nicht. Sie hat in Trier eine dreijährige Verbundausbildung zur Mediengestalterin begonnen. Partnerbetriebe sind Tri-Sign und die Raab-Druck GmbH. Flöck liebt die Fotografie. Als Motiv herhalten muss nicht selten ihr Freund Björn Partschefeld, mit dem sie eine Wohnung in Olewig bezogen hat. "Er steht mir brav zur Verfügung", freut sich Flöck, die den 28-Jährigen während ihrer Zeit beim Thüringer HC kennen und lieben gelernt hat. Partschefeld arbeitete in Erfurt als Jugend- und Auswahltrainer. Nun ist der angehende Grundschullehrer bei der MJC für die Verbandsliga-Herren verantwortlich.
Flöck hatte 2011 den Sprung von Österreich nach Deutschland zum THC gewagt. "Auch wenn ich nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam, waren es lehrreiche Monate für mich." Im Sommer dann der Wechsel nach Trier. "Ich habe viele Einsatzzeiten. Das ist schön", sagt die Wienerin, die in Mannschaftskreisen "Sissi" gerufen wird. Ein Klischee, angelehnt an die frühere österreichische Kaiserin, das Flöck dennoch freut.
Einmal im Tor, immer im Tor


Als Neunjährige hatte Flöck mit dem Handballspielen begonnen. Der Grund: "Ich wollte kein Ballett mehr machen." Sie ging beim ersten Training direkt ins Tor - freiwillig. "Ich war seitdem nie im Feld. Und im Tor war ich von Beginn an nicht so schlecht." Das merkten auch andere Trainer. 2005 stieß sie zur Jugend des Abonnementmeisters Hypo Niederösterreich. 2011 wurde sie Europameisterschaftsdritte mit der U-19-Nationalmannschaft. Aktuell ist sie dritte Torhüterin im Frauen-Nationalteam. "Dort in Zukunft eine wichtigere Rolle zu spielen, ist ein Ziel von mir", sagt die elffache Nationalspielerin, die nicht weit voraus blicken mag. "Ich bin jetzt erst mal drei Jahre hier in Trier. Mal schauen, was die Zukunft bringt." Zeit genug also, um sich weiter einzuleben. Und mit den Straßen der Stadt zurechtzukommen: "So langsam gewöhne ich mich an die vielen Schlaglöcher."