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Frauen-Handball
Trierer Miezen vor dem Heimspiel gegen Mainz: Starker Rückhalt und großes Vorbild in puncto Einstellung

 Ein Energiebündel und Vorbild für die anderen Miezen-Spielerinnen: Triers Torhüterin Melanie Eckelt.
Ein Energiebündel und Vorbild für die anderen Miezen-Spielerinnen: Triers Torhüterin Melanie Eckelt. FOTO: Trierischer Volksfreund / Hans Krämer
Trier. Miezen-Trainerin Vereschako baut im Tor auf Melanie Eckelt. Am Sonntag kommt es vor dem WM-Finale zum Rheinland-Pfalz-Derby gegen Mainz. Von Stefan Strohm
Stefan Strohm

Dienstreise nach Canberra – das hat was! Wie bitte schön hat es denn Melanie Eckelt in der vergangenen Woche nach Australien verschlagen? „Ich war dort bei einem Kongress und habe einen Vortrag über eine Studie zur körperlichen Aktivität von Kindern in Luxemburg gehalten“, erzählt die 32-jährige Miezen-Torhüterin am Telefon. „Meli“ macht gerade ihren Doktortitel an der Universität in Luxemburg, und im Rahmen ihrer Arbeit kommt sie weit in der Welt herum: Im Dezember war sie in der Türkei, in diesem Jahr sind noch Reisen nach New York und Verona geplant. „Aber erst nach der Saison“, ergänzt sie schmunzelnd.

Am vergangenen Wochenende nahm sie große Reisestrapazen in Kauf, um ihrer Mannschaft in der 2. Frauen-Handball-Bundesliga im Kampf gegen den Abstieg zu helfen. Und einen Temperaturunterschied von fast 50 (!) Grad Celsius: In Canberra waren es im australischen Sommer 45 Grad, nach einem 24-stündigen Flug von Sydney nach Hamburg landete sie bei minus vier Grad. „Es ging, beim Spiel am Samstagabend habe ich eher den Flug gespürt. Nach der Rückreise mit dem Bus von Harrislee nach Trier war ich am Sonntag aber recht platt“. Die Heimfahrten – gerade nach einer Niederlage wie dem 26:34 beim Aufsteiger – sind anstrengend, „aber das sind wir ja ein bisschen gewohnt“.

Genau diese Einstellung gefällt ihrer Trainerin Elena Vereschako an Melanie Eckelt: „Anfangs der Saison war sie die Nummer zwei für mich. Sie hat durch ihren Fleiß und ihre Einstellung Aleksandra Baranowska verdrängt und sich ihren Platz im Tor erkämpft. Nach 24 Stunden Flugzeit muss sie nicht spielen, das zeigt ihre Einstellung. Sie ist ein Vorbild für die anderen – man muss mehr investieren, um sein Ziel zu erreichen.“ Zudem zeigt Eckelt wie in Harrislee gute Leistungen und ist laut Vereschako „eine sehr zuverlässige und verantwortungsvolle Spielerin“, die trotz ihres interessanten Jobs noch nie im Training gefehlt habe. Ausgezahlt in Punkten hat sich der enorme Einsatz von Eckelt am vergangenen Wochenende nicht – das soll sich nun am Sonntag um 16 Uhr zum Rückrundenauftakt im Heimspiel gegen den Tabellenvierten 1. FSV Mainz 05 ändern. „Bislang haben wir noch nicht den richtigen Schalter gefunden. Phasenweise spielen wir richtig gut zusammen, aber dann machen wir viele individuelle Fehler. In der Hinrunde hatten wir zudem etwas Pech und haben viele knappe Niederlagen kassiert“, blickt Eckelt auf die erste Saisonhälfte zurück.

Gegen die laut Vereschako „sehr junge und dynamische Mainzer Mannschaft mit viel Potenzial“ sieht die MJC-Trainerin ihr Team als Außenseiter – fraglich ist der Einsatz von Baranowska, die krankheitsbedingt zwei Tage nicht trainieren konnte. „Alle Spielerinnen plus die Bank müssen um jedes Tor kämpfen, dann gelingt uns vielleicht eine Überraschung. Die Erfahrung und die Qualität dazu haben wir“, ist Vereschako überzeugt. Eckelt, die seit 2015 im Miezen-Trikot spielt und eigentlich immer gegen den Abstieg kämpfte, sieht im Gegner des ersten von drei Heimspielen in Folge – nach Mainz kommen der Tabellenzweite Rosengarten und dann der Abstiegskonkurrent BSV Sachsen-Zwickau in die Arena – einen kleinen Vorteil: „Wir können befreit aufspielen. Wichtig ist wie wir spielen, damit wir uns Selbstvertrauen für die ganz wichtigen Spiele holen.“

Der Abstieg ist für die Miezen-Torfrau trotz des derzeit vorletzten Tabellenplatzes noch „kein Thema. Die Liga ist in dieser Saison sehr ausgeglichen, alle Mannschaften liegen sehr eng zusammen. Ich weiß, was wir können – wir müssen es nur mal für 60 Minuten auf die Platte bringen.“ Trotz der noch mageren Punkt­ausbeute von 8:22 Zählern sei die Stimmung innerhalb der Mannschaft gut. „Ich finde, wir haben uns unter Elena super weiterentwickelt, auch wenn man es an den Punkten nicht so sieht. Sie hat selber einfach schon alles erlebt und kann uns viel mitgeben“, sagt Eckelt. Und dennoch sind die Mainzerinnen, die das Hinspiel klar mit 35:21 gewonnen hatten, für die 32-Jährige „der klare Favorit. Aber wir sind eine andere Mannschaft als im ersten Saisonspiel, als wir nur eine kurze Vorbereitung hatten. Es wird auf jeden Fall enger – ob wir für eine Überraschung gut sind, wird sich am Sonntag zeigen.“

DJK/MJC Trier: Eckelt, Baranowska (?), Huj­ben  – Petrovska, Sattler, Ilciukaite, Houben, Czanik, Tolic, Szabo, Zrnec, Simon-Varga