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Handball
Trierer Miezen verpassen Pokalsensation hauchdünn

FOTO: TV / Björn Pazen
TRIER. Zehn schwache Minuten standen einer Pokalsensation der Trierer Handball-Miezen entgegen: Der Zweitligist spielte am Samstagabend in der zweiten DHB-Pokalrunde gegen Erstligist TV Nellingen stark auf, verlor am Ende aber hauchdünn mit 26:28 (12:12).

„Ja, das ärgert mich.“ Elena Vereschako war die Enttäuschung anzumerken. „Wir hätten das gewinnen können, wir hätten ins Pokal-Achtelfinale einziehen können. Das war heute drin.“ Noch mehr als über die Niederlage gegen den Erstligisten TV Nellingen ärgerte sich die Miezen-Trainer aber über den Grund dafür, denn der wiederholte sich: „Wie vor einer Woche in der Liga gegen Beyeröhde hatten wir eine entscheidende Schwächephase nach der Pause. Letzte Woche sechs Minuten, heute zehn Minuten. Ansonsten waren wir auf Augenhöhe.“

Beim 26:28 (12:12) war definitiv kein Klassenunterschied zu erkennen, speziell nicht, wenn man bedenkt, dass zwischen beiden Teams – dem Bundesliga-Neunten und dem Zweitliga-Vorletzten - virtuell 19 Plätze liegen. „Wir waren nicht schlechter, das Ausscheiden ärgert mich schon ein bisschen“, sagte auch Triers beste Spielerin, Torfrau Melanie Eckelt. Trotz starker Rückenschmerzen stellte sie sich – vor den Augen des Meister-Torwart-Duos von 2003, Alex Gräfer und Dani Vogt - in den Dienst der Mannschaft, wehrte 14 Würfe ab und hielt ihre Mannschaft im Spiel. „Toll war, wie wir uns wieder rangekämpft haben, wir haben uns nie aufgegeben. Wenn wir so in der 2. Liga spielen, holen wir auch mal ein paar Punkte“, sagte Eckelt. Noch haben die Miezen allerdings keinen Liga-Zähler auf dem Konto.

Nach dem 4:6-Rückstand drehte die MJC die Partie zum 10:8, wären nicht drei Würfe an Pfosten oder Latte gelandet, es wäre mehr drin gewesen als das 12:12 zur Pause. Vor allem Linsey Houben (am Ende beste Trierer Werferin mit neun Treffern) und Andrea Czanik waren in Hälfte eins stark in der Offensive. Über 60 Minute gut stand die Abwehr.

Aber nach dem Seitenwechsel nahm Erstligist Nellingen die Miezen ernster, die wiederum nun zu viele Chancen vergaben. Von 15:14 setzte sich der Gast aus Schwaben dank der nun wie entfesselt aufspielenden Lena Sophia Degenhardt auf 24:18 in Minute 49 ab – es drohte eine Klatsche für die Miezen vor der absoluten Minuskulisse von 170 Zuschauern. Doch einerseits schaltete Nellingen merklich zurück, andererseits zeigte die MJC eine tolle Moral. „In der vergangenen Saison haben wir uns in solchen Situationen aufgegeben und deutliche Niederlagen kassiert, nun kämpfen wir bis zum Schluss. Der Charakter der Mannschaft ist richtig toll“, sagte Vorstand Jürgen Brech. „Jeder hat gesehen, dass diese Spielerinnen Handball lieben. Es wäre toll, wenn mehr Fans zu unseren Spielen kämen“, ergänzte Vereschako.

Zwei Minuten vor dem Ende war beim 26:24 sowie Überzahl für Trier die Wende möglich, doch mit dem 27. Treffer machte Nellingen alle Trierer Pokal-Hoffnungen zunichte. Eine Mieze hatte dennoch einen kleinen Grund zur Freude: Die Ungarin Dora Simon-Varga feierte ihr Comeback – sechs Monate nach ihrer Schulter-Operation. „Das hat einerseits schon wieder Spaß gemacht, andererseits muss ich noch viel, viel besser werden“, sagte die Linksaußen.

„Ich bin zufrieden mit dem Weg, den die Mannschaft jetzt nimmt. So werden wir auch in der Liga zu Erfolgserlebnissen kommen“, sagte Vorstand Brech. Vereschako allerdings hebt den mahnenden Zeigefinger: „Wir müssen diese Schwächephasen in den Griff bekommen, sonst wird es richtig schwer.“

DJK/MJC Trier: Eckelt, Baranowska – Petrovska (2), Sattler, Ilciukaite (3/1), Houben (9/4), Czanik (6), Tolic (1), Szabo (4), Zrnec (1), Simon-Varga – Beste Werferin Nellingen: Degenhardt (7/1)