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Wittlich: Zwei Mädels wollen ins Nationalteam

Regionale Handball-Talente : Doppelte Portion Handball in den Genen

Bekannte Namen, hohe Ziele: Die regionalen Top-Talente Nina Czanik (14, MJC Trier) und Jessica Souza (13, HSG Wittlich) träumen vom Sprung in die Jugend-Nationalmannschaft – und trainieren dafür zusammen und individuell.

Sie tragen bekannte Namen, ihre Familien leben und lieben Handball, sie spielen für unterschiedliche Vereine, wären aber eigentlich in der aktuellen Saison in einer Mannschaft aufgelaufen –  und trainieren aktuell gemeinsam für das große Ziel Jugend-Nationalmannschaft. Nina Czanik (DJK/MJC Trier, Jahrgang 2006) und Jessica Souza (HSG Wittlich, Jahrgang 2007) bereiten sich aktuell auf ein Camp des Deutschen Handballbunds vor, das im Mai stattfinden soll - und die traditionellen Sichtungen aller deutschen Talente aus der B-Jugend ersetzt, die wegen Corona-Bestimmungen in diesem Jahr anders ablaufen.

Czanik und Souza sind beide Mitglied in der rheinland-pfälzischen Landesauswahl, und aus der wurden vom neuen Landestrainer Jan Ludwig die besten Spielerinnen ausgewählt, die sich nun individuell vorbereiten, und hoffen, vom DHB für das Nachwuchscamp mit den besten B-Jugendspielerinnen Deutschlands nominiert zu werden.

Beide haben Handball in den Genen: Jessy Souza spielt bei der HSG Wittlich und ist die Schwester von Jennifer Souza, die als Jugend-Nationalspielerin aus der Säubrennerstadt zu Bayer Leverkusen wechselte, wo sie nun Stammspielerin in der Bundesliga ist – und auch zum erweiterten Kader der Frauen-Nationalmannschaft zählt.

Nina Czaniks Mutter Andrea ist nicht nur ihre Trainerin in der C-Jugendmannschaft der DJK/MJC Trier, sondern war auch slowakische Nationalspielerin, spielte für die Miezen in der Bundesliga und läuft aktuell noch für die HSG Wittlich in der 3. Liga auf. Interessante Parallelen: die Väter von Nina und Jessy waren beide Fußballprofis, beide Familien kamen für den Sport aus dem Kongo beziehungsweise der Slowakei in die Region.

Ein gemeinsames Spiel auf Clubebene bestritten Nina Czanik und Jessy Souza – vergangenen Herbst in der Qualifikation zur C-Jugend-Oberliga mit einer Spielgemeinschaft von MJC Trier und HSG Wittlich - danach wurde die Saison wegen Corona erst unterbrochen und dann abgebrochen. In der kommenden Saison wollen beide einen neuen Anlauf wagen, in der B-Jugend-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saarland, mit Andrea Czanik als Trainerin.

 Die Schwester: Jennifer Souza spielt für Bayer Leverkusen.
Die Schwester: Jennifer Souza spielt für Bayer Leverkusen. Foto: TV/Thomas Prenosil/HSG Wittlich

„Beide haben unglaublich viel Talent. Jessy Souza ist fast noch stärker einzuschätzen als ihre Schwester, sie ist groß, hat eine riesige Sprungkraft und dazu einen tollen Wurf, ist auf allen Rückraumpositionen einsetzbar. Sie ist überall die Jüngste, wird aber auch mit 13 Jahren nächste Saison in der B-Jugend spielen“, sagt Andrea Czanik. Ihre Tochter Nina wollte zunächst ins Tor, ist aber nun variable Feldspielerin.

Eigentlich spielt die 14-Jährige am liebsten im Rückraum, hat aber auch auf der Kreisläuferposition ihrer Mutter schon Erfahrung gesammelt. Und im Handballcamp beim aktuellen Frauen-Champions-League-Sieger im ungarischen Györ entdeckte die frühere Welthandballerin Anita Görbicz Czaniks Talent auf der Links-Außenposition. „Nina steht in Kontakt mit Györ, sie hatte auch schon ein Angebot vom Thüringer HC, aber sie soll erst einmal die Schule in Trier erfolgreich beenden“, sagt Andrea Czanik.

Momentan trainieren Czanik und Souza unter der Leitung von Tobias Quary (Co-Trainer HSG Wittlich) individuell, zu zweit und coronakonform in Wittlich – ohne Körperkontakt, aber handballspezifisch, mit einem strammen Programm, das für den DHB und die Landesauswahl genau protokoliert werden muss – 15 bis 16 Stunden pro Woche inklusive Kondition und Athletik draußen. Dazu kommen mehrere Samstage Training in Mainz-Budenheim mit den ausgewählten Spielerinnen der Landesauswahl. „Wir versuchen in Wittlich alles, um die beiden Toptalente zu unterstützen, damit sie optimal vorbereitet den nächsten Schritt gehen können“, sagt Thomas Feilen, Trainer der HSG-Drittliga-Frauen: „Beide sind für ihre Altersklasse vom Handballerischen aber auch Athletischen schon richtig weit, mit herausragenden Fähigkeiten.“ Für Feilen aber ebenso wichtig: „Jessy und Nina beflügeln sich gegenseitig, motivieren sich beim gemeinsamen Training und legen dabei sehr hohen Einsatz und Bereitschaft an den Tag.“

Und das Ziel scheint klar: „Nina will unbedingt Profihandballerin werden. Und ich träume davon, noch einmal mit ihr in einer Mannschaft aufzulaufen“, sagt Andrea Czanik, die 2012 vom slowakischen Meister Slovan Duslo Sala zu den Miezen wechselte, dort zur slowakischen Nationalspielerin wurde und 2019 nach der Insolvenz der Zweitliga-Handballerinnen im Alter von 39 Jahren die Herausforderung in der RPS-Oberliga bei der HSG Wittlich suchte. 2020 folgte der Aufstieg in die 3. Liga. „Ich bin noch fit, und auch wenn mein Mann fragt, wann ich aufhöre, sage ich immer: ‚Nach der nächsten Saison.‘ So geht das seit Jahren“, sagt Czanik, die beim Trierer Sicherheitsunternehmen Seros arbeitet.

Ihre Tochter Nina war fünf Jahre alt, als die Familie nach Trier kam – und hatte fortan nur Handball im Kopf. „Vielleicht lag es daran, dass ich nur vier Monate nach Ninas Geburt schon wieder professionell spielte und trainierte“, sagt ihre Mutter. Und bei Jessy Souza ist die ganze Familie sportverrückt, die Mutter war Leichtathletin – und Schwester Jenny ist das große Vorbild. „Wir wollen Jessy so lange wie möglich in Wittlich halten, und sie auf ihrem weiteren Weg begleiten“, sagt der HSG-Vorsitzende Axel Weinand. Durch die Kooperation mit Bayer Leverkusen war neben Jennifer Souza bereits Marie Teusch an den Rhein gewechselt – ob auch Jessys Weg irgendwann unters Bayer-Kreuz führt, wird die Zukunft zeigen.