Handball: WM-Einsatz 10 000 Kilometer von zu Hause entfernt

Handball : WM-Einsatz 10 000 Kilometer von zu Hause entfernt

Von Mirko Blahak

Sonne, 30 Grad – davon bekommen Osvaldo Bravo, Antonio Augusto und Gabriel Afonso derzeit nichts mit. Statt in ihrer Heimat Luanda - der Fünf-Millionen-Einwohner-Hauptstadt Angolas - sind sie zurzeit im kühlen Trier. Sie berichten dort derzeit  von der Frauenhandball-Weltmeisterschaft. Die frostigen Temperaturen in Deutschland machen ihnen schon etwas zu schaffen.

Egal, da muss man durch. Es gilt, die Einwohner des südwestafrikanischen Landes über das Abschneiden des Nationalteams zu unterrichten. Das Trio arbeitet für das Rádio Nacional de Angola, die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft von Angola - und dort für das Rádio Cinco, den nationalen Sport-Kanal.

Angola gilt gemeinhin als Exotenteam bei dieser WM - doch der zwölfmalige Afrikameister hat bei zurückliegenden internationalen Meisterschaften schon beachtliche Erfolge eingefahren (siebte Plätze bei der WM 2007 und den Olympischen Spielen 1996). Frauen-Handball in Angola ist hinter Fußball und neben Basketball die Nummer zwei - die Spielerinnen sind lokale Stars.

Umso enttäuschender ist aus Sicht der Journalisten das Abschneiden bei der WM in Deutschland, in der Arena Trier. Vier Spiele, vier Niederlagen - das sei nicht der Anspruch des Teams. Schuld habe der Trainer, sagt Bravo: „Er lässt ein System spielen, das nicht zu Angola passt. Morten Soubak ist mit Brasilien 2013 Weltmeister geworden, aber Angola spielt anders.“

Dass es die Afrikanerinnen besser könnten, belege die Vergangenheit. Bravo: „Bei Olympia 2016 gewann Angola in der Vorrunde mit 23:19 gegen Rumänien.“ Zum Vergleich: In Trier unterlagen die Afrikanerinnen gestern Abend den Rumänen mit 24:27.

Norman Dick war am Donnerstagnachmittag der große Glückpilz: Für sich und seine Söhne David und Jakob hatte er an der Arena-Tageskasse gerade die Familienticket für das Frauen-Handball-WM-Spiel Paraguay gegen Slowenien gekauft, als WM-Koordinatorin Julia Lewen und Christian Jostock (Marketingleiter des Lokalen Organisationskomitees) ihn überraschten. Die Dicks sind die 20.000 Besucher der Handball-WM in der Arena Trier. Foto: TV/Arena Trier

So können die Journalisten nicht weiter zu den K.o.-Spielen reisen - für sie ist die WM am Sonntag beendet. Dann geht es zurück nach Luanda – von Frankfurt aus, über Lissabon. Immerhin dürfte die Aussicht auf Wärme für Trost sorgen.

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