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WM gesichert: Handball-Frauen entern „Piratenbar“

WM gesichert: Handball-Frauen entern „Piratenbar“

Nach dem wohl wichtigsten Sieg der letzten zehn Jahre enterten die deutschen Handball-Frauen die „Piratenbar“. Zuvor hatte die Crew des Dänen Heine Jensen das Paradeschiff des früheren Welt- und Europameisters Ungarn stranden lassen und selbst das WM-Ticket nach Brasilien gelöst.

Im entscheidenden Playoff- Rückspiel in Györ bestach das Team des Deutschen Handballbundes mit einer geschlossenen Teamleistung und siegte überzeugend mit 27:22 (14:12). Das Hinspiel hatte die DHB-Auswahl 26:24 gewonnen. Zudem liegt auch wieder der Kurs Richtung London für Olympia 2012 an.

„Das Feuer ist gelöscht, das war ein sehr wichtiges Spiel für den deutschen Frauen-Handball. Das Schwierigste war, den Spielerinnen wieder den Mut, an sich selbst zu glauben, mitzugeben“, sagte der 34-jährige Bundestrainer Jensen der Nachrichtenagentur dpa. „Wir haben ordentlich gefeiert und den Sieg bis in die Morgenstunden in vollen Zügen genossen.“

Dass er an diesem Tag auf die Keeperin seines bisherigen Vereins HC Leipzig, Katja Schülke, setzte, bezeichnete er als „Bauchentscheidung“. Doch nach einigen Nachfragen verriet er dann doch seine Taktik: „Es gehörte zur Strategie, dass die Ungarinnen viel von hinten werfen sollten, da hat Katja ihre Stärken. Doch eine Torhüterin ist nur so gut wie ihre Abwehr oder umgekehrt, doch diese Synergieeffekte muss man auch nutzen“, betonte Jensen, der völlig fertig war. Barfuß spazierte er durch die Katakomben der Sporthalle „Magvassy Mihaly“ und absolvierte so auch die Pressekonferenz.

Torhüterin Schülke sorgte mit insgesamt 20 Paraden für sicheren Rückhalt, und Nadja Nadgornaja vom Double-Gewinner Thüringer HC - mit acht Toren beste deutsche Werferin - traf nervenstark aus dem Rückraum. „Es war richtig toll, was Nadja gezeigt hat“, sagte Jensen und betonte: „Sie hat ihre Leistungen aus der Bundesliga bestätigt. Und das zeigt auch die Stärke des Teams, dass es einer so jungen und international noch unerfahrenen Spielerin vertraut.“

In der „Hölle von Györ“ offenbarten die Deutschen die lange vermisste Einheit. „Das Projekt mit der Bundesliga hat exzellent funktioniert. Die Mannschaft hat auf und neben dem Parkett eine klasse Teamleistung geboten“, sagte Kay-Sven Hähner, Manager vom HC Leipzig und stellvertretender Vorsitzender der Handball-Bundesliga- Frauen (HBF). „Jetzt ist der deutsche Frauenhandball wieder wer“, betonte der Trainer vom Bundesligisten Frankfurter HC, Dietmar Schmidt. Der Olympiasieger von 1980 gehörte wie Renate Wolf (Bayer Leverkusen) und Dirk Leun (Buxtehuder SV) zu Jensens neuem Trainerteam.