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Kommentar zum Pogacar-Sieg bei der Tour de France

MEINUNG : Der Zweifel fährt mit

Dass der Slowene Tadej Pogacar in diesem Jahr zum zweiten Mal die Tour de France gewinnt – und das als jüngster Doppelsieger in Folge – überrascht nicht. Die Art und Weise  aber schon. Denn so wie dieser 22-Jährige haben früher vielleicht ein Hinault, ein Merckx oder ein Anquetil die Rundfahrt nach Belieben beherrscht.

Pogacar: Das könnte der Beginn einer neue Ära sein. Könnte!

Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit und breitem Grinsen „flog“ der Mann in Gelb die letzten Meter auf die höchsten Gipfel der Tour in Alpen und Pyrenäen. Dort, wo andere litten, die zuvor als seine Konkurrenten ausersehen worden waren. Sein Kommentar: „Seit ich in die Tour gestartet bin, ist es ein Spiel für mich. Ich genieße es, zu spielen.“

Nach der Macht-Demonstration hinauf nach Le Grand Bornand und Tignes errechneten Experten in der „L’Equipe“ Leistungswerte von 6,3 Watt pro Kilogramm Körpergewicht bei dem 67 Kilo leichten Radprofi. Das ist der absolute Grenzbereich dessen, was Mediziner und Diagnostiker als natürlich bezeichnen.

Dass der Schatten seines Dopingbelasteten Teammanagers Mauro Gianetti, den Tour-Chef Christian Prudhomme zu dessen Zeiten bei Saunier-Duval als „Mann von schlechtem Ruf“ bezeichnete, bei all seinen Erfolgen mitfährt, irritiert Pogacar offensichtlich nicht: „Als ich ihn zum ersten Mal traf, war er sehr nett zu mir. Ich denke, er ist ein guter Mensch.“

Na, dann ist ja alles gut! Oder etwa nicht? Wie auch immer: Auch im Falle Pogacar gilt der Grundsatz: Im Zweifel für den (nicht einmal) Angeklagten. Aber eben dieser Zweifel fährt mit.

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