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120-Kilometer-Lauf quer durch die Eifel an die Mosel an einem Tag

Wettkampf-Ersatz : 120-Kilometer-Lauf quer durch die Eifel

Michael Comes wollte eigentlich erst im kommenden Jahr sein Debüt über 100 Kilometer geben. Dann kam Corona mit viel Training und der 38-Jährige zog seinen Einstand auf der Ultramarathonstrecke vor.

Am Moselufer in Alf gab es zur Belohnung ein Schoko-Vanille-Eis. „Das hat richtig gut getan“, sagt Michael Comes. Nach 120 Kilometern über den Mosel-Our-Fernwanderweg gönnte sich der 38-Jährige aus Bengel (Kreis Bernkastel-Wittlich) am vergangenen Freitag sich eine erfrischende Süßigkeit. Mehr als 15 Stunden (reine Laufzeit: 13:20 Stunden) war er vom luxemburgischen Vianden quer durch die Eifel ins Moseltal bei Alf (Kreis Cochem-Zell) gelaufen. Eigentlich wollte Comes erst 2021 so weit laufen. Doch dann kam die Corona-Krise.

Die Absage aller Laufveranstaltungen verlangten nach einem neuen Ziel für den passionierten Landschaftsläufer. Hinzu kam, dass Comes bei dem guten Wetter im Frühjahr so viel trainierte, wie selten zuvor. Als er im Kondelwald bei Bengel auf das stilisierte „E“ der Mosel-Our-Weg-Markierungen traf und sich über den Streckenverlauf informierte, war schnell klar: Diesen Fernwanderweg wollte er ablaufen - und zwar an einem Tag statt wie in den Wanderführern vorgeschlagen in sechs Etappen. „Ich wusste gar nicht, dass bei uns vor der Haustür so ein Fernwanderweg entlang führt“, erzählt er.

Die Trainingsgrundlage legte er mit mehr als 900 Lauf-Kilometern in den sieben Wochen zwischen Ostern und Pfingsten. Oft morgens früh um fünf Uhr von Bengel zur Arbeit bei einer großen Weinkellerei in Bernkastel-Kues laufend. Abends ging es dann entweder mit dem an der Kellerei stehenden Fahrrad oder noch einmal per pedes zurück. Machte pro Richtung jeweils rund 20 Kilometer. Zum Abschluss seiner Vorbereitung standen aufgeteilt auf zwei Tage 100 Kilometer auf dem Programm. Das klappte gut. „Ich hatte anschließend keine Probleme“, erzählt Comes.

Auch schon einmal hinlegen musste sich Michael Comes in der Mittagshitze auf dem Weg zu seinem ersten Lauf über (mehr als) 100 Kilometer. Foto: Holger Teusch

Mit den GPS-Koordinaten des Mosel-Our-Wanderwegs sowohl in Laufuhr und Handy gespeichert, fuhr die Familie Comes am Brückentag nach Fronleichnam frühmorgens nach Vianden. In größeren Abständen sollten seine Frau mit den beiden Töchtern Michael Comes mit Wasser und Verpflegung versorgen. Doch der größte Teil der Strecke war Neuland. Vor Bitburg, Comes hatte gerade die Marathondistanz (42,195 Kilometer) hinter sich gebracht, passierte es: verlaufen. Seine Uhr habe ihn regelrecht im Kreis geführt. Fünf Kilometer lief der 38-Jährige zusätzlich. In der Mittagshitze brauchte er seine kompletten Trinkvorräte auf und kam dehydriert am Verpflegungspunkt in Wilsecker (Kreis Bitburg-Prüm) an. „Da habe ich erst einmal bestimmt einen Liter Wasser in mich hinein geschüttet.“

Das blieb nicht ohne Konsequenzen. „Der Abschnitt von Bitburg bis Manderscheid war meine allerschlimmste Zeit“, erzählt Comes. Zu Ermüdung und Hitze kamen Magenprobleme, Übelkeit und Seitenstechen. Vielleicht habe er etwas zu viel auf einmal getrunken, überlegt er. Aber der Durst war einfach zu groß. Insgesamt schätzt der Familienvater seinen Getränkeverbrauch auf über zehn Liter.

Michael Comes aus Bengel lief den Mosel-Our-Weg über rund 120 Kilometer vom luxemburgischen Vianden nach Alf an der Mosel innerhalb eines Tages. Foto: Holger Teusch

In Manderscheid gönnte er sich bei einer befreundeten Familie eine längere Pause. Eine deftige Kartoffelsuppe statt süßer Gels aus seinem Laufrucksack, eine Schüssel kalten Wassers für die Füße und ein frisches Paar Schuhe bauten Comes wieder auf. „Meine Frau hat mir in Manderscheid angeboten, mich ein paar Kilometer mit dem Auto zu fahren. Aber das war keine Option“, erzählt er. Denn nach der Pause lief es wieder. „Ich habe die zweite Luft bekommen und richtig neuen Mut gefasst.“ Ein Aha-Moment war in der Abenddämmerung ein Hinweisschild am Ortsausgang von Hontheim (Kreis Bernkastel-Wittlich): Bad Bertrich drei Kilometer. „Da wusste ich: Jetzt schaffe ich es!“, sagt Comes. Zumal er nun von Trainingskollegen des TuS Bengel begleitet wurde. Die letzten beiden Kilometer liefen außerdem seine Töchter mit.

Mehr als 15 Stunden war Michael Comes aus Bengel für 120 Kilometer auf dem Mosel-Our-Fernwanderweg zwischen Vianden und Alf unterwegs. Foto: Michael Comes

Auf 120 Kilometer (mit mehr als 3000 Höhenmetern) hatte Comes am Moselufer von Alf seinen persönlichen Distanzrekord verdoppelt und seinen ersten 100-Kilometer-Lauf absolviert. „Ich war überrascht, dass ich dieses Seitenstechen bekommen habe und mir so übel war. Aber auch, dass meine Beine hinten raus so gut waren“, resümiert er - und schmiedet schon neue Pläne. Noch einmal 100 Kilometer möchte er laufen. „Aber bei einer Veranstaltung, wo alles eingerichtet und geregelt ist“, hofft Comes auf die baldige Wiederaufnahme von Laufveranstaltungen. „Für meine Frau und die Kinder war es schon ein nervenaufreibender Tag“, erzählt er von den Sorgen, die sich seine Familie machte, wenn sie an den verabredeten Punkten auf ihn warteten. Das ist bei organisierten Veranstaltungen dann doch entspannter.