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21 Kilometer lang fürs Leben gelernt

21 Kilometer lang fürs Leben gelernt

Laufen als Therapie gehört seit einem Jahrzehnt zum Programm im Jugendhof Wolf und Veldenz. Beim Mainz-Marathon liefen fünf Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren 21,1 Kilometer, freuten sich über den sportlichen Erfolg und lernten fürs Leben.

Wolf/Veldenz. Laufen als Therapie für Kinder und Jugendliche in Erziehungshilfeeinrichtungen? Als Adele Stolz erstmals davon hörte, habe sie gedacht: "Nun macht man aber alles zur Therapie", erzählt sie. Doch die Bedenken der Fachbereichsleiterin am Jugendhof Wolf und Veldenz wurden schnell zerstreut: "Ich sah Kinder, die haben mit viel Widerstand angefangen zu laufen. Als sie zurückkamen, hatten sie so einen verklärten Gesichtsausdruck. Irgendetwas muss da wohl dran sein, dachte ich mir", erzählt Stolz. Klar, Ausdauerlauf ist auch bei den Kindern und Jugendlichen in Wolf und Veldenz zuerst meist nicht der Renner. Wie bei allen Anfängern kostet das Training Überwindung. Laufen ist auch anstrengend. "Wenn die Erzieher in den Gruppen nicht dahinterstehen würden, dass es eine Verpflichtung ist, würde es nicht funktionieren", sagt Lauftherapeutin Inge Umbach. Ausreden wie schlechtes Wetter gibt es bei der 59-Jährigen nicht. Was bringt den Jugendlichen, die oft einiges zu verarbeiten haben, der Ausdauersport? "Die Kinder haben oft erst einmal wenig, worauf sie stolz sind. Sie gehen in die Welt und meinen, wir können nichts, wir werden nicht gewollt", erzählt Stolz. Laufen bringt ihnen Erfolgserlebnisse. "Schaut man bei Volksläufen in die Gesichter der Kinder, wenn sie ihre Urkunde bekommen: Sie sind stolz!" Und: Im Lauftraining lernen die Jugendlichen, ihren Zielen näher zu kommen. Besonders stolz können Jennifer Greulach (17), Nathalie Nauschütz (17), Joshua Schneider (16), Tim Kapfenberger (15) und Stephan Moser (15) sein. Sie liefen am vergangenen Sonntag in Mainz erstmals Halbmarathon. Der 20-jährige Sascha Bauer, der bereits einmal die 21,1-Kilometer-Distanz geschafft hat, musste wegen einer Fußverletzung aus dem Rennen gehen. "Ich hatte so ein Grummeln im Bauch. Man wartet nur noch, bis endlich der Startschuss fällt", erzählt Kapfenberger über seine Nervosität. Die sei schnell verflogen, als er merkte, dass er ausreichend trainiert hatte. "Wir sind extra einige Male in die Eifel gefahren, um mit Inge lange Läufe zu machen", erklärt Moser. Schnellste des Quintetts war Jennifer Greulach in 1:47:21 Stunden. Die 17-Jährige lag im besten Zehntel der fast 2000 gestarteten Frauen und war Schnellste unter 20 Jahren.
Den Spaß am Laufen, den sie selbst habe, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, das versuche sie, sagt Inge Umbach. Das Rezept funktioniert. Die frischgebackenen Halbmarathonis planen schon neue Starts. "Die letzten Meter waren einfach cool", sagt Nauschütz. Vom Beifall der vielen Zuschauer bei ihrem Endspurt wird sie noch lange zehren. teu