Alpha-Männchen

Körpersprache ist auch im Sport eine wichtige und interessante Angelegenheit. Gewisse Anleihen aus der Tierwelt sind nicht selten und manchmal auch effektiv. TV-Laufkolumnist Rainer Neubert hat sich dazu Gedanken gemacht und es ausprobiert.

Von Alpha-Männchen, die in der Umkleide mit mächtigem Getöse die ihnen nächstliegende Steckdose verteidigen, hatte ich vor einiger Zeit berichtet. Inzwischen weiß ich, dass dieses Gehabe nach einem Lauf höchst ineffizient ist, zumal es lediglich dem Abbau des durch schlechte Leistung angestauten Frustes dient.

Dabei muss es für so einen Steckdosenverteidiger gar nicht so weit kommen. Seit ich im Urlaub den Beitrag einer Wissenschaftssendung gesehen habe, weiß ich, dass persönliche Leistungen verbessert werden können, wenn davor Sieger- oder Dominanzposen eingenommen werden.
Und so geht's: Arme wie zum Siegerjubel erheben, Kopf hoch und Brust raus. Wer dagegen den Kopf einzieht und die Arme verschränkt, nimmt sich allen Mut zu einer außergewöhnlichen Leistung. Zu früher Stunde - es musste ja nicht jeder zusehen - habe ich es also im Trierer Moselstadion ausprobiert: Siegerposing vor einem Intervalltraining mit zehnmal 400 Metern. Und tatsächlich lief diese Einheit - inklusive Zwischenjubel - leichter als gedacht. Am Ende war mein Durchschnittstempo auf den schnellen Runden sogar deutlich besser als ursprünglich geplant.

er mich also in Zukunft in Alpha-Pose vor der Startlinie eines Laufes sieht, sollte sich also nicht wundern und es einmal selbst versuchen. Man(n) muss sich ja nicht gleich auf den Brustkorb trommeln.