Andersherum

Corinna Harrer (1500 Meter) und Arne Gabius (5000 Meter) haben in den olympischen Halbfinalläufen Achtungserfolge erzielt. Dennoch laufen die deutschen Sportler der Weltspitze deutlich hinterher. Das bedauert auch TV-Laufkolumnist Rainer Neubert.

Von den schönen Laufstrecken in unserer Region habe ich an dieser Stelle ja bereits häufiger geschwärmt und stets viel Zuspruch dafür bekommen. Dennoch ist die Zahl der Runden begrenzt, die an der eigenen Wohnungstür beginnen. Ab und an laufe ich deshalb meine Hausrunden andersherum, in die gefühlt falsche Richtung. Das bringt erstaunliche neue Eindrücke, Ausblicke und die Erkenntnis, dass ich die meisten meiner Lieblingsstrecken - warum auch immer - normalerweise in die leichter zu bewältigende Richtung in Angriff nehme.
Ob es dem ein oder anderen Olympioniken in London ähnlich ergangen ist? Irgendwie müssen die doch Gegenwind oder Steigungen gespürt habe, wo sonst alles so leicht lief. Diese Vermutung liegt zumindest nahe angesichts der deutlichen Unterlegenheit zu den Sprintern, Mittelstrecken- und Langstreckenläufern aus Übersee und Großbritannien. Aber vermutlich ist nicht nur Psychologie der Grund für das wenig begeisternde Abschneiden unserer Läufer. Gefühlt andersherum…
Zurück in Deutschland wird sich dieser Eindruck schnell wieder verflüchtigen. Und vielleicht wird der ein oder andere Olympiateilnehmer ja beim Silvesterlauf in der Trierer Innenstadt dabei sein und bejubelt. Da drehen die Sportler übrigens ihre Kreise immer in dieselbe Richtung. Wer es erleben will, kann sich jetzt schon anmelden, oder auf dem TV-Laufportal für einen Startplatz und das dazugehörige Vorbereitungstraining bewerben. Dabei, das ist sicher, geht es dann auch mal andersherum.