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Wer sich intensiv auf ein bestimmtes Rennen vorbereitet weiß, dass es wichtig ist, sich in der Woche davor zu schonen. Das fällt nicht leicht, weiß auch TV-Laufkolumnist Rainer Neubert.

Mein innerer Schweinehund protestiert. Er mag nicht mehr. Nicht mehr laufen? Von wegen! Er will, ist es nach drei Monaten regelmäßigen Trainings gewohnt, pro Woche 60 bis 70 Kilometer unterwegs zu sein. Und nun soll er plötzlich stillhalten?

"Das ist gut für dich", versuche ich ihn zu beruhigen. "Dann läufst du in Hamburg beim Marathon am Sonntag um so leichter und schneller." Und ich erzähle etwas von "Tapering". Das ist ein englischer Fachbegriff im Sport, der etwa mit Zuspitzung oder Reduktion übersetzt werden kann. "Häh?" Mein innerer Schweinehund verlangt nach mehr Erklärung. "Es geht dabei darum, in den letzten ein bis zwei Wochen vor einer großen Belastung den Trainingsumfang zu reduzieren", doziere ich. "So soll unser Körper die Möglichkeit bekommen, sich zu erholen und Kraft zu schöpfen. Dafür wird die Zahl der Wochenkilometer auf etwa 60 Prozent des davor üblichen Umfangs reduziert."

Bei diesen Sätzen hört die innere Stimme auf: "60 Prozent? Aber wir sind doch erst 20 Kilometer gelaufen!" Da kann ich dann doch beruhigen: "Ganz tatenlos werden wir bis zum Rennen nicht sein. Heute ein Stündchen. Am Samstag noch ein Fünfer-Ründchen." Mein innerer Schweinehund frohlockt - und am Sonntag wird er wieder von der Leine gelassen.

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