Kolumne Auf de Laufenden : Das Geheimnis des Sommerregens

Das Unwetter vor einer Woche war zum Glück nicht überall in der Region so katastrophal wie in Trier. „Ich habe gedacht, ich überlebe das nicht“, erzählt ein Läufer, der an jenem Donnerstagnachmittag auf der Flur bei Mariahof unterwegs war.

Zum Schutz vor dem Hagelsturm hatte er sich unter einer Bank verkrochen ... Solche Erlebnisse braucht tatsächlich kein Mensch. Geschweige denn die Folgen wie überschwemmte Keller, gerupfte Weinberge, umgestürzte Bäume oder Erdrutsche.

Inzwischen ist der schöne Sommer zurück und lässt uns vom milden Landregen träumen. Lieben Sie auch diesen herrlichen Duft, der über dem Land liegt, wenn Wassertropfen nach längerer Trockenheit auf die erhitzte Erde oder Asphalt treffen? Meteorolge Matthias Habel von dem Portal WetterOnline hat dafür die Erklärung: „Beim Aufprall der eigentlich geruchlosen Tropfen bilden sich kleine Luftbläschen, die sich mit Partikeln der Bodenoberfläche füllen, die gleichzeitig Träger der Duftaromen sind. Die Aroma­bläschen steigen aus dem dünnen Wasserfilm auf und bersten dabei. Die Aerosole, also das Gemisch aus Schwebeteilchen in den Bläschen, werden dadurch explosionsartig in der Umgebung verteilt.“

Weil bei starken Gewitterschauern die großen Tropfen mit reichlich Geschwindigkeit auf den Boden knallen, riecht es weniger stark. Beim milden Landregen lassen sich die Tropfen hingegen vergleichsweise viel Zeit, um die Aromen des Sommers aufzunehmen. Wenn der Boden richtig trocken war, riecht es dann nach Erde und Pflanzen. Denn die produzieren Öle und können die Luft ebenfalls mit betörenden Düften versehen. Hinzu kommt das farblose Gas Ozon. Das olfaktorische Gemisch riecht auf einem großen Parkplatz anders als im Wald oder am Strand. Aber warum können wir das manchmal riechen, auch wenn der Regen noch weit entfernt ist? Auch dafür hat Meteorologe Habel die Antwort: „Die gelöste Aerosole sind so leicht, dass der Wind sie aus einem ferneren Niederschlagsgebiet zu uns wehen kann.“

Der nächste Regen kommt bestimmt. Wenn er – hoffentlich – nicht zu heftig ist, wird das ein Fest für unsere Nasen. Ein Hochgenuss, nicht nur für uns Läufer

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