Ein sicherer Platz

Psychologie spielt auch beim Laufen eine große Rolle. Es gilt, den "inneren Schweinehund" zu überwinden. Aber auch während eines Laufs wird es manchmal schwer, Tempo und Motivation hoch zu halten. Wie das geht, lässt sich lernen. Das hofft zumindest TV-Laufkolumnist Rainer Neubert.

Kennen Sie Ihren sicheren Platz? Nein? Dann sollten Sie ihn suchen. Denn von diesem Ort aus lässt sich viel Kraft gewinnen, um Schwierigkeiten zu überwinden.
Das sagt zumindest Wolfgang. Der ist Psychologe und hilft als Mentalcoach auch Sportlern, sich zu Höchstleistungen zu motivieren.

Das hat zum Beispiel im vergangenen Jahr bei Läufern aus Langsur funktioniert, die alle die 42 Kilometer und 1829 Höhenmeter beim Jungfrau-Marathon bewältigt haben. Mehr oder weniger locker, aber alle mit dem Bild von ihrem sicheren Ort vor dem inneren Auge.

Mit einigen Lauffreunden sitze ich also bei Mentalcoach Wolfgang in bequemen Schwingsesseln und lasse mich von seiner ruhigen Stimme - "… Beine und Hände sind schwer…" - entführen an meinen sicheren Ort - "… du hörst den Lärm auf der Straße, aber der ist dir egal …" - dem Platz, an dem ich mich besonders wohl fühle. Von dort betrachte ich besondere Laufmomente, in denen ich Frust und Schmerzen überwunden habe …

Wenn Wolfgang recht behält, kann ich dieses positive Gefühl bald bei Bedarf in schwierigen Momenten abrufen. Es soll mich demnächst beim Hamburg-Marathon ins Ziel tragen. Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Und wenn nicht, werde ich mich schmollend zurückziehen: an meinen sicheren Ort.

laufen@volksfreund.de