Entschleunigung auf zwei Beinen

Warum tue ich das? Diese Frage haben sich die meisten Läufer schon mindestens einmal gestellt. Auch TV-Laufkolumnist Rainer Neubert hat dazu seine eigene Philosophie.



Warum laufe ich? Warum schnüre ich fast an jedem Tag zu früher Stunde meine Laufschuhe und renne die Weinberge rauf und runter? Warum geht es mir schlechter, wenn ich zwei Tage nicht laufen konnte?

Klar, ich habe einen Beruf, der mich täglich länger an den Schreibtisch fesselt, als es gesund sein kann. Regelmäßige Bewegung ist da ab einem gewissen Alter ein wichtiger Ausgleich, um nicht einzurosten und körperlich fit zu bleiben.

Nur das ist es aber nicht. Christian, ein anderer Dauerläufer, ein laufender Arzt, der unter dem Pseudonym DocRunner seine Erlebnisse in einem Internetblog verarbeitet, hat mich der wahren Antwort auf diese Fragen näher gebracht: Er fasst es unter dem Begriff Entschleunigung zusammen.

Es geht letzten Endes darum, aus der Hektik des Alltags zu entfliehen. Es geht darum, zu sich selbst zu finden, zu meditieren und den Kopf freizumachen. Wenn sich die Beine wie von alleine bewegen, die Atmung ihren Rhythmus gefunden hat, der mit dem Herzschlag harmoniert. Wenn die Gedanken fliegen und sich das Gefühl einstellt, eins zu sein mit der Natur. Dann ist der Punkt erreicht, den mein laufender Blogfreund sehr treffend als "Crescendo der Entspannung und Zufriedenheit" beschreibt. Dann bleiben Ärger, Frust und Anspannung zurück.

Aber es funktioniert nicht nur nach einem anstrengenden Tag. Wie ich immer wieder erlebe, wirkt die Entschleunigung durch das Laufen auch vor der unvermeidlichen Beschleunigung, die ein Arbeitstag mit sich bringt. Deshalb laufe ich - und vermutlich nicht nur ich alleine!

Der Autor dieser Kolumne ist begeisterter Hobbyläufer und berichtet täglich auch in seinem Internetblog http://volksfreund.de/laufen über seine Erfahrungen.