Gep(l)atzt

Wer beim Marathon eine neue Bestzeit laufen will, orientiert sich am besten an einen Läufer, der das gewünschte Tempo kontinuierlich bis ins Ziel vorgibt. Dass so etwas auch ordentlich in die Hose gehen kann, erlebte TV-Laufreporter Rainer Neubert beim Düsseldorfmarathon. Da ist klar, welches Thema er für seine aktuelle Laufkolumne wählt.

Wer schon an einem Marathon teilgenommen hat oder als Zuschauer an der Strecke stand, kennt die lustig hüpfenden Symbole läuferischer Sehnsucht. Mit Helium gefüllte Luftballons tanzen über den Köpfen besonders begabter Läufer.
Als weithin sichtbare Aufschrift zieren Zielzeiten die prall gefüllten Latexhüllen: 3:00, 3:30, 4:00, 4:30 … Wer es schafft, im Rennen die von ihm favorisierte mobile Wegmarke bis zum Ende im Blick zu behalten, kann sich einer guten Zeit sicher sein. Die Zugläufer werden es schon richten - so die Theorie. Die Praxis ist dann schmerzhaft, wenn der auf der Hatz nach einer persönlichen Bestzeit ausgesuchte Ballonträger das Rennen als Fahrtspiel gestaltet. Mal schnell, dann genau richtig, dann sehr schnell. Die Zeit für eine Pinkelpause muss schließlich gutgemacht werden. Wer nicht muss, läuft weiter in der Erwartung, dass der Mann mit dem Ballon wieder aufschließt. Das tut er auch, um dann mit einem Affenzahn vorbei und davon zu sprinten, und jede Hoffnung des am Limit laufenden Hobby-Marathonis auf ein gleichmäßiges Rennen zerplatzen lässt, wie den Ballon, auf dem die Traumzeit geschrieben steht. Beim Düsseldorf-Marathon am Sonntag hätte ich gerne Pfeil und Bogen dabei gehabt. Aber besser nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich auf den Ballon gezielt hätte …