Gespenstisch!

In Bekond startet am Samstag die Saison der Straßenläufe. Warum sich einige Läufer dort verfolgt vorkommen könnten, erklärt TV-Laufreporter Rainer Neubert in seiner neuen Kolumne.

Das Zitronenkrämerkreuz bei Bekond ist einer von vielen Orten in unserer schönen Region, um den sich Legenden ranken. Wo heute oberhalb des Moseltals die steinerne Landmarke zum Innehalten einlädt, soll 1687 ein Händler von Räubern überfallen und getötet worden sein. Ob die es auch auf seine Ware abgesehen hatten, ist nicht überliefert. Der brave Ambrosius Cavore hatte Zitronen im Gepäck. Die vitaminreiche Zitrusfrucht wird auch heute noch geschätzt, besonders von den Teilnehmern des Zitronenkrämerlaufs, der traditionell die Saison der Volksläufe in unserer Region eröffnet. Die Strecke ist anspruchsvoll. Wer ins Ziel kommt, erhält eine prächtige Zitrone zur Belohnung. Für die Schnellsten gibt es zudem einen Sack Kartoffeln. Die Prämierung mit Naturalien passt gut zum Motto der Veranstaltung. Kaspar Portz und sein Verein Bekond Aktiv nehmen keine Startgebühren, sondern bitten um eine Spende für "Eine Runde gegen den Hunger", ihr Schulprojekt in Ruanda. Wenn sich am Samstag um 14.30 Uhr der Läufertross am Sportplatz Bekond auf den Weg macht, werden sie allerdings eine neue Streckenvariante kennenlernen. In diesem Jahr geht es auf asphaltierten Weinbergswegen rund um den Rudemsberg. Der ist ebenfalls ein mystischer Ort, an dem der Legende nach der Geist des Rudemsmännchens ruhelos unterwegs sein soll, als Strafe für seinen Betrug bei einem Grundstücksstreit. Die lange Steigung von Schleich hoch zum Zitronenkrämerkreuz bleibt den Läufern also erspart. Das ist sicher gut, vor allem weil rund um den Aussichtspunkt am Samstag scharf geschossen wird. Es ist Jagdzeit. Und niemand will, dass sich ein weiteres Kreuz hinzugesellt. Dann lieber ein Wettlauf mit dem Rudemsmännchen.