Gurken in Stockholm

Wie wichtig ausreichendes Trinken für eine gute Laufleistung ist, habe ich in dieser Kolumne ja bereits erläutert. Je länger der Lauf, desto mehr sollte darauf geachtet werden, dass im Getränk ausreichend Kohlenhydrate und Elektrolyte enthalten sind, um den Salzverlust auszugleichen.

Denn die Leistungsfähigkeit ist schon eingeschränkt, wenn auf das eigene Körpergewicht bezogen zwei Prozent Flüssigkeit verloren gehen. Aber natürlich muss jeder selbst ausprobieren, wann, was und wie viel er trinkt. So ist es auch mit dem Essen: Vor einem Lauf sollte der Magen nicht ganz leer sein.

Wer schon einmal mit dem Gefühl gelaufen ist, als hätte er einen Stein im Magen, der weiß auch, dass zu viel kulinarischer Genuss zu knapp vor einem Wettkampf fatale Folgen haben kann. Joghurt, Blaubeeren und Bananen sind die Klassiker für eine leichte und gesunde Kost. Haferflocken sind für Läufer das Maß aller Dinge.

Und natürlich viel Obst und Gemüse. So lautete zumindest bis vor Kurzem nicht nur für Sportler das Credo für eine gesunde Ernährung. Seit die Killermutation des Darmbakteriums Ehec Angst und Schrecken verbreitet, haben Salat und Tomaten, vor allem aber Gurken viel von ihrem guten Ruf verloren.

Doch es gibt sie auch in einer Form, vor der selbst Ehec zurückschreckt: eingelegt, als Salzgurken. Die "entzücken" nicht nur Spreewald- Touristen. In den zweifellos zweifelhaften Genuss dieses Turbogemüses kamen am Samstag auch die Teilnehmer beim Stockholm-Marathon. Bei Kilometer 22 wurden uns die glibberigen grünen Teile von netten blonden Damen gereicht …

Mein Salzhaushalt war schlagartig wieder in Ordnung. Wer weiß, vielleicht haben die Gurken mir Beine gemacht. Meine bisherige Bestzeit auf 42,195 Kilometern habe ich jedenfalls unterboten: um 14 Minuten auf 3:24:44 Stunden.

Eine Reportage zum Lauf hat der Autor dieser Kolumne auf seinem Blog Midlifecrisis eingestellt.