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Gut gelaufen - Die Sache mit der Sprengung

Laufkolumne : Die Sache mit der Sprengung

Vor allem im vorderen Starterfeld eines Laufes kann die Stimmung angespannt, sogar explosiv sein. Definitiv nichts zu tun hat das mit der Sprengung, um die es heute geht. Bei Laufschuhen ist damit die Höhendifferenz von Vorderfuß und Ferse gemeint.

Beispiel Barfuß: Ballen wie Ferse stehen unmittelbar auf dem Boden. Kein Unterschied = Sprengung Null. Diesem Ideal streben die McDougal-Jünger nach, also jene Läufer, die, vielleicht nach der jüngst empfohlenen Lektüre von „Born to run“, dem minimalistischen Laufsport frönen und deshalb überwiegend auf dem Vorderfuß unterwegs sind.

Die meisten Schuhe, egal ob Straßen-, Freizeit- oder Sportschuhe, weisen allerdings eine mehr oder weniger deutliche Sprengung auf. Wie es dazu gekommen ist,  bietet Raum für Spekulationen: Wollten früher die Menschen durch hohe Absätze größer wirken? Oder war es einfach praktisch, als Schutz für die stärker belastete Ferse ein paar Schichten mehr Leder unter das Schuhbett zu nageln? Sicher ist jedenfalls, dass der moderne Mensch dank des Tragens von Schuhen von Kindestagen an wegen der untrainierten Fuß- und der verkürzten Wadenmuskulatur nicht von heute auf morgen problemlos weit barfuß gehen oder gar minimalistisch laufen kann. Wer das probiert und dabei übertreibt, riskiert Probleme mit der Achillessehne oder gar einen Fersensporn.

Bei Laufschuhen beträgt die übliche Sprengung zwischen vier und zwölf Millimetern. Laufanfängern und schweren Läufern ist in jedem Fall zunächst eine eher große Sprengung zu empfehlen, wobei es auch dann von Vorteil ist, mit dem ganzen Fuß aufzusetzen. Im Laufe der Jahre kann die Sprengung des Schuhs reduziert werden. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, um Verletzungen zu vermeiden.

Was ist also die individuell richtige Sprengung? Laufpapst Dr. Matthias Marquardt („Das große Laufschuhbuch“) hat dazu vor sechs Jahren eine nicht ganz einfache Berechnungsmethode vorgestellt. Seitdem haben sich Schuhmaterial und Sohlengeometrie allerdings enorm fortentwickelt. Deshalb gibt es letztlich nur eine Methode, um das herauszufinden: Testen und ausprobieren, möglichst vor dem Kauf.

laufen@volksfreund.de

In der nächsten Woche: Der richtige Schuh für den richtigen Zweck.