Hammermann und Hungerast

Wenn die Beine mit einem Schlag schwer wie Blei werden, hat der Hammermann zugeschlagen. Rechtzeitig zu trinken und zu essen, schützt davor. Nicht immer ist das ein Genuss, weiß TV-Laufkolumnist Rainer Neubert.

Marc Kowalinski war in Hamburg schnell. Beim Marathondebüt knapp unter 2:31 Stunden, das muss dem ehemaligen Mittelstreckenspezialisten erst einmal jemand nachmachen. Allein beim Gedanken an diese Zeit qualmen bei mir die Laufschuhe. Er hätte noch schneller gekonnt, sagt er, wenn er nicht versäumt hätte, rechtzeitig seinen Energiespeicher aufzufüllen. So kam kurz vor dem Ende der gefürchtete Hammermann und ließ die Beine von "Kowa" bleischwer werden.

Hungerast ist dafür ein anderes Wort. Mich bringt die Nachricht vom Hamburg-Marathon ins Nachdenken. Nicht darüber, warum es wichtig ist, auf langen Läufen regelmäßig und genug zu trinken und zu essen.

Alle fünf Kilometer einen Becher Wasser, alle zehn Kilometer etwas Kohlenhydrathaltiges. Das ist mein Rezept vom Halbmarathon aufwärts. Schmunzeln muss ich beim Gedanken daran, was mir und meinen Mitstreitern auf den langen Kanten schon an kulinarischen Genüssen angeboten wurde.

Isotonische Getränke, Tee und Cola sind Standard. Es gab auch schon Suppe, Wurst und Schnaps - den natürlich nur auf Freundschaftsläufen. Auf Platz eins der gereichten Köstlichkeiten stehen aber mit weitem Abstand die Essiggurken von Stockholm. Bei Kilometer 26 fand sich plötzlich so ein grünes Teil in meinen Händen, das davor reichlich in Salzlauge gebadet hatte.

in heldenhafter Biss, dann flog das schwabbelige Kürbisgewächs in weitem Bogen an den Straßenrand. Weiter offensichtlich als die meisten anderen Gurken. Denn selten habe ich bei einem Lauf so einen glitschigen und farblich grenzwertigen Matsch auf der Strecke erlebt. Nein danke! Bitte keine Gurken mehr.

Ich bleibe im Wettlauf gegen Hammermann und Hungerast bei Gels, Bananen und Müsliriegeln - und bei einem wesentlich gemächlicheren Tempo als Marc Kowalinski. Der wird bei seinem nächsten Marathon sicher mit weniger schweren Beinen ins Ziel laufen - unter 2:30 Stunden. laufen@volksfreund.de