Harakiri oder die Lust am Leiden

Die Schmerzgrenze ist für jeden Menschen individuell. Das gilt auch für Läufer. Einige Tage in den Bergen haben Laufreporter Rainer Neubert zu seiner aktuellen Kolumne inspiriert.

Eifrigen Läufern wird von eher unsportlichen Zeitgenossen häufig ein gewisser Hang zu Masochismus vorgeworfen. Manchmal geschieht das nicht einmal zu Unrecht. Denn vor allem Ultraläufer streben auf Distanzen von weit mehr als 42 Kilometern auch danach, sich selbst und den Schmerz zu überwinden. Wer sich an den dramatischen Zugspitzlauf 2008 erinnert, bei dem der heftige Wetterumschwung zwei Tote und mehrere Verletzte zur Folge hatte, dem kommt vielleicht sogar der Begriff Harakiri in den Sinn. Schließlich grenzt es an den Versuch der rituellen Selbsttötung, bei solch eisigen Wetterbedingungen nur leicht bekleidet in den Bergen unterwegs zu sein.
In Winterbekleidung und mit Ski unter den Füßen haben Adrenalinjunkies übrigens auch in den Zillertaler Alpen die Möglichkeit, Harakiri zu erleben. In der Regel überleben sie das Befahren dieser mit bis zu 78 Prozent Gefälle steilsten präparierten Piste Österreichs, wenn auch manche nach einem Sturz einige Hundert Meter der Abfahrt im Höchsttempo auf Rücken oder Bauch hinunterstürzen. Aber das ist eine andere Geschichte …
Das "normale" Laufen in den Bergen macht jedenfalls mächtig Spaß. Und wenn keine Alpen in der Nähe sind, dann genügen auch die etwas flacheren Steilhänge von Eifel und Hunsrück, um außer Atem und konditionell an die Grenzen zu kommen.
Wie man Anstiege für ein effektives Training nutzt, ist nur einer von vielen Aspekten bei "Der TV bewegt!". Für den Vorbereitungskurs auf den Trierer Stadtlauf können sich Abonnenten derzeit wieder bewerben. Auch Anfänger und Wiedereinsteiger sind dabei richtig. Denn um Harakiri geht es nicht. Allerdings sollte sich kein Teilnehmer beschweren, wenn ihm von weniger sportlichen Zeitgenossen schon bald eine masochistische Ader nachgesagt wird.