Kein Knopf im Ohr

Musik macht Laune und beschwingt. Das wissen auch viele Läufer, die das ganz bewusst einsetzen.

Denn mit dem richtigen Beat im Ohr lassen sich wie von selbst Schrittfrequenz und Puls beeinflussen. MP3-Player sind längst so leicht, dass sie nicht mehr ins Gewicht fallen. Viele T-Shirts und Laufjacken haben Clips oder Durchlässe, mit denen sich die Kabel der Ohrhörer so fixieren lassen, dass sie kaum eine Bewegung behindern.

Für mich ist das allerdings nichts. Nach einigen Versuchen mit Knopf im Ohr laufe ich in der Regel ohne Intensivinnenohrbeschallung. Ich muss meinen Atem hören, genieße die je nach Untergrund wechselnde Takt- und Geräuschkulisse meiner Schuhe. Ich will die Natur hören, wenn ich durch den Wald, durch Weinberge und über Wiesen laufe. Für den richtigen Rhythmus brauche ich keine Musik, die mich fremdbestimmt.

Wie auch immer. Wer mit Musik läuft, sollte sie sehr bewusst auswählen und von ihrer Wirkung wissen. Sonst droht Ungemach. Hoffentlich nicht wie bei dem Hobbysportler, der bei einem Volkslauf durch seinen ungewohnt leichtfüßigen Auftritt verblüffte. Als er einige Hundert Meter vor dem Ziel zusammenbrach, waren die Sanitäter schnell bei ihm und verhinderten Schlimmeres. Einer von ihnen gab seiner Neugier nach und stöpselte sich die herausgefallenen Ohrhörer des kollabierten Läufers ein. Was er zu hören bekam? AC/DC: hell's bells

TV-Redakteur Rainer Neubert ist ambitionierter Hobbyläufer und stellt diesen Sport in den Mittelpunkt der donnerstags erscheinenden Kolumne sowie seines Blogs Midlifecrisis ( http://midlifecrisis.blog.volksfreund.de).

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