Kraftakt für die Füße

Über Laufschuhe lässt sich wunderbar diskutieren. Das Thema "Natural Running" spielt dabei zunehmend eine Rolle. Immer mehr Schuhhersteller erwarten sich davon neue Umsätze. Wer aber zum "natürlichen Läufer" werden will, ohne Stütze und Dämpfung im Schuh, sollte vorsichtig sein. Das empfiehlt TV-Laufkolumnist Rainer Neubert.

Was sind die richtigen Schuhe? Welche Dämpfung ist notwendig? Und ist es nicht überhaupt sinnvoller, die Schuhe ganz wegzulassen?

"Natural Running - natürliches Laufen" nennt sich dieser Trend, der den menschlichen Fuß als Wunderwerk der Natur (wieder-)entdeckt hat. Denn dank seines feingliedrigen Aufbaus mit einer Vielzahl von Muskeln, Bändern und Sehnen gleicht er zum einen einem Stoßdämpfer ebenso wie einem Expander, der Schwerkraft in Bewegungsenergie umwandelt.

Dumm gelaufen, denn mit immer dickeren Sohlen und immer stabileren Konstruktionen haben die Laufschuhfirmen in den vergangenen 40 Jahren wahre Laufsofas entwickelt, die dem Fuß wichtige Stützfunktionen abgenommen haben.
Ausgerechnet Nike - Erfinder des dämpfenden Stabilschuhs - hat die Rückbesinnung zu ungedämpften und möglichst flexiblen Schuhen angestoßen. Wenn das natürliche Laufen etabliert ist, werden dann vermutlich wieder Stabilschuhe zum Lieblingskind der Werbestrategen.

Wie auch immer: Wer von schweren Tretern auf einen superleichten Schuh wechseln will, muss vorsichtig sein und Geduld haben. Andernfalls nehmen es die Füße übel, wenn sie plötzlich wieder alle Arbeit selbst erledigen müssen. Und wer einen Knick-Senk-Spreiz-oder-was-auch-immer-Fuß hat, sollte besonders Acht geben.

Für mich geht jedenfalls vorläufig nichts ohne Innenstütze. Dann und wann werde ich dennoch auch in Zukunft ganz natürlich laufen: barfuß.