Muskelkater und der Schmerz nach dem Laufen, Kolumne

Sport : Der Schmerz geht, der Ruhm bleibt ...

Muskelkater ist für viele Läufer so etwas wie eine Belohnung für außergewöhnliche Leistungen. Doch selbst für ambitionierte Freizeitsportler ist zu viel Belohnung nicht unbedingt erwünscht. Unser Laufkolumnist hat in Luxemburg seine Grenzen ausgetestet.

Ich bin sauer. Nun ja, übersäuert, um genauer zu sein. Aber streng wissenschaftlich gesehen stimmt das auch nicht. Denn es sind nicht die Laktate, die meine Oberschenkel bei jedem Schritt in Horte der ungebremsten Pein verwandeln. Zu viel Milchsäure durch intensive sportliche Betätigung tut zwar weh. Rund 20 Minuten nach der Anstrengung hat sich in der Regel der Laktatspiegel aber wieder auf einem normalen Niveau eingependelt. Nein, es sind winzige Verletzungen im extrem beanspruchten Muskel die ihn nach heftigen Belastungen in Katerstimmung versetzen. Wenn unser Wunderwerk von Körper einen halben oder ganzen Tag nach der Anstrengung damit beginnt, den Schaden so langsam wieder zu heilen, bleibt das nicht ohne Folgen für das individuelle Schmerzempfinden.

Wer weiß, was ich damit meine, war vielleicht schon einmal dazu genötigt, zum Beispiel nach einem Marathon für einige Tage Treppenstufen ausschließlich rückwärts hinunter zu steigen. Auch Bergwanderer und Trailläufer kommen nach der Bewältigung besonders profilierter Strecken in den zweifelhaften Genuss des fortgeschrittenen Muskelkaters. Da muss die Distanz nicht einmal 42 Kilometer weit reichen. Denn vor allem beim Bremsen bergab folgt dem laktatbedingten Brennen der Beinmuskulatur zeitverzögert das große Heulen, gegen das es im Grunde nur ein Mittel gibt: Heilung durch Zeit. .

So habe ich meine Lektion aus dem Trail Uewersauer im schön steilen Luxemburger Land gelernt: Beim nächsten Mal einfach laufen lassen. Wer zu viel bremst, verliert nicht nur Zeit, sondern gewinnt auch einige Tage mit Watschelgang. Schmerz geht vorüber, Ruhm bleibt ... Für solche Tage ist das ein guter Spruch.

Mehr von Volksfreund