Mystisch

Gefühlt ist der Winter kaum vorbei, schon kündigen sich die längsten Tage des Jahres an. Ein schöner Feierabendlauf ist inzwischen auch zu später Stunde möglich, ohne sich eine Lampe vor die Stirn spannen zu müssen. Dass Läufe zu später Stunde dennoch mystisch sein können, beschreibt TV-Laufkolumnist Rainer Neubert

Die Runden im Zwielicht sind mystisch. Wenn der Tag die Nacht berührt oder die Nacht den Morgen begrüßt, herrscht eine außerordentliche Stimmung. Laufen wird dann zur bewegten Meditation. Zu erleben ist das zum Beispiel wieder beim Hospizlauf am 10. und 11. Juli. Am Freitag um 12 Uhr startet der Läufertross am Deutschen Eck in Koblenz und mäandert in den folgenden 24 Stunden in wechselnder Besetzung an der Mosel entlang fast 200 Kilometer bis nach Trier. Die Benefizaktion für den Hospizverein ist ein eindrucksvolles Erlebnis, ganz besonders in den Stunden des Zwielichts und der Nacht. Der Weinort Kröv wird eine Station auf dem Weg der Hospizläufer sein. Dort gehen bei Dunkelheit die Lichter eh aus? Das ist nur ein Vorurteil, wie der Mitternachtslauf am Pfingstsamstag beweisen wird. Meditativ wird es dort angesichts der vielen lautstark jubelnden Zuschauer zwar eher nicht. Aber kein Läufer kann sich dem Zauber des Kerzenlichts entlang der Strecke entziehen. Gänsehautgefühl. Und wehe, ich erwische jemanden mit Stirnlampe! laufen@volksfreund.de