Ohne Saft

Der Laufcomputer am Handgelenk gehört für viele Läufer zum unverzichtbaren Zubehör. Manchmal lässt so ein Teil seinen Träger aber auch im Stich. Und dann kann es heftig werden, berichtet TV-Laufkolumnist Rainer Neubert.

So eine moderner Laufcomputer am Handgelenk ist praktisch: Neben Uhrzeit lassen sich Tempo und zurückgelegte Strecke ablesen. Wer einen Brustgurt trägt, kann zudem überprüfen, ob sich der vergossene Schweiß wirklich in Pulsfrequenz und Kalorienverbrauch spiegelt. Und da inzwischen fast alle Laufuhren über einen GPS-Sensor verfügen, lassen sich am heimischen PC alle Streckendaten bewundern.So weit, so gut. Dumm nur, dass all diese Funktionen an des Läufers Schwungarm reichlich Strom fressen. Das Aufladen des Uhr-Akkus gehört also genauso zu den notwendigen Übeln des Sportalltags wie das Dehnen der Muskulatur. Kein Wunder, dass auch die vorsorgliche Stromzufuhr ab und an vergessen wird. War das nicht erst gestern? Auf halber Strecke, mitten im Mattheiser Wald: keine Anzeige mehr, nichts, nada. Bis zum Mittagtermin mit Freunden ist noch Zeit. Ich trabe bei Sonnenschein weiter über schön matschige Wege. Bis mich eine wilde Müllhalde im Naturschutzgebiet so aufregt, dass ich mein Smartphone aus der Jacke nestele, um das bildlich zu dokumentieren. "Treffen in 30 Minuten" ist das Erste, was auf dem Display erscheint. Dumm nur, dass auf dem Weg nach Hause noch einige hügelige Kilometer liegen ...Eine knappe halbe Stunde später weiß ich, wie sich eine wilde Hatz über Stock und Stein, durch Pfützen und Schlamm anfühlt - wie kräfteraubend das ist. Erst eine Uhr ohne Saft, dann saft- und kraftlos zum Termin. In nächster Zeit werde ich das Laden meiner Uhr nicht mehr vergessen. Und gedehnt habe ich heute auch. P.S.: Zu meinem Termin bin ich übrigens nur um 15 Minuten verspätet angekommen, frisch geduscht, aber mit hochrotem Kopf. Meine Freunde haben es mit einem Schmunzeln kommentiert: Rainer, der Laufverrückte, hat sich verlaufen.