Privilegiert

Die Laufregion teilt sich im Herbst in zwei Bereiche, die mit und die ohne Nebel. Einige Höhenmeter können da entscheidend sein. Das weiß auch Laufkolumnist Rainer Neubert, der die besonders intensiven Farben dieser Jahreszeit auch im Dunst genießt.

Den Blick sehnsüchtig nach oben gerichtet, so wurden in den vergangenen Tagen nicht wenige Läufer in den Tälern beobachtet. Ein wenig neidvoll lauschten die Flachländer am Arbeitsplatz dann den Schilderungen der Kollegen aus der Eifel oder dem Hunsrück. Deren Schwärmen von Sonne und blauem Himmel ist an herbstlichen Dauernebeltagen nur mit Willensstärke zu ertragen, ohne dem Wunsch zu verfallen, dicker Dunst möge ihnen zumindest für einige Zeit die Stimmbänder lähmen.
Dabei leuchtet das Gold des Laubs in diesem Jahr doch derart, dass es sogar im Nebel ein Spektakel ist. Die frühen Frostnächte im September und das milde Wetter danach seien dafür die Ursache, sagen Botaniker. Die Bäume hätten wegen des Kälteschocks zwar das Chlorophyll aus den Blättern abgezogen, die Saftzufuhr aber nicht abgestellt. Die Folgen: spät vertrocknendes Laub und eine Explosion der Farben wie selten.
Wer es erleben will, sollte im Laubwald laufen. Eine Gelegenheit dazu bietet sich am Samstagnachmittag in Konz. Dort lockt der sage und schreibe 40. Wurzelweglauf mit schönen Strecken. Vielleicht scheint dabei sogar die Sonne.