Schnell, schlau, schmerzvoll

Weltrekord beim Berlin-Marathon. Kein ambitionierter Hobbyläufer kann davon unbeeindruckt bleiben. TV-Laufexperte Rainer Neubert verfolgte mit schweren Beinen das Event vor dem Fernseher. Welche Beobachtungen er dabei machte und warum seine Beine so müde waren, erzählt er in seiner neuen Kolumne.

Vorzeigeläufer Florian Neuschwander (rechts mit heller Kappe) machte auch schon beim Training "Der TV bewegt" eine gute Figur. Foto: Rainer Neubert

Welch ein Lauf! Sensationell, wie Patrick Makau am Sonntag beim Berlin-Marathon in neuer Weltrekordzeit ins Ziel geflogen ist. 2:03:38 Stunden für 42, 195 Kilometer! Unvorstellbar schnell! Die meisten von uns würden die Strecke nicht einmal mit dem Fahrrad in dieser Zeit bewältigen.

Mindestens genauso begeistert wie die Fabelzeit des scheinbar locker joggenden Mannes aus Kenia hat mich die Vorstellung von Florian Neuschwander. Wie sich unser regionaler Vorzeigeläufer da im Fernsehen in Szene gesetzt hat - zunächst mit der Lauflegende Haile Gebrselassie, dann mit Paula Radcliff und Irina Mikitenko - war sensationell. Den Bezirksrekord verpasste er zwar knapp, um 16 Sekunden. Mit 2:22:23 Stunden gehörte er dennoch zu den schnellsten deutschen Läufern. Und als Begleiter der weltbesten Frauen brachte es keiner seiner nationalen Sportkollegen auf so viele werbewirksame Einstellungen.

Mit schweren Beinen habe ich das von meiner Couch aus verfolgt, ein wenig neidisch angesichts des Traumwetters in Berlin. Wäre es im vergangenen Jahr nicht so saumäßig nass gewesen, hätte ich bestimmt auch eine Bestzeit aufgestellt - eine persönliche, versteht sich.

Mein Berlin lag in diesem Jahr am Tag davor in Schillingen im schönen Hochwald und hatte satte 700 Höhenmeter mehr. Auch hier: wunderbares Wetter, wunderbare Organisation, wunderbare Gespräche mit netten Menschen. Nur vor diesen elendigen Wadenbeißern hätte mich jemand warnen müssen! Nach 30 Kilometern, an der Ruwerquelle, haben sie mich erwischt. Keine Chance, mit einer ordentlichen Portion Magnesium-Kalium zu reagieren.

Nun weiß ich, dass man zwölf Kilometer auch mit Wadenkrämpfen laufen kann. Von Laufgenuss lässt sich dann allerdings nicht mehr sprechen. Aber: der Schmerz lässt nach, der Ruhm bleibt. Inzwischen kann ich schon wieder über meine Grenzerfahrung schmunzeln. Welch ein Lauf!

laufen@volksfreund.de