Tarzan lebt

Der Fährturmlauf in Schweich war eine tolle Veranstaltung. Das meint auch unser laufender Redakteur Rainer Neubert. Warum er dennoch für kurze Zeit ein wenig sauer war, beschreibt er in seiner neuen Kolumne.

Läufer sind hilfsbereite Menschen. Wer zum Beispiel vergessen hat, ein Handtuch für das Duschen nach dem Wettkampf in die Tasche zu packen, der findet im Umkleideraum in der Regel einen Zeitgenossen, der ein Handtuch mehr dabei hat und es gerne verleiht.
Ich selbst durfte einmal beim Berlin-Marathon in eine solche Samariterrolle schlüpfen. Beim Fährturmlauf in Schweich kam mein Lauffreund in den Genuss nachwettkampflicher Nächstenliebe. Das Tuch war nicht sehr groß und erinnerte ein wenig an einen Lendenschurz. Vielleicht inspirierte das den weniger gut gelaunten Zeitgenossen am anderen Ende des Raums, den Tarzan heraushängen zu lassen.
Ich meine damit die mentale Verfassung eines auf Nahkampf getrimmten Urmenschen. Den Stecker meines Föhns hat er jedenfalls deutlich schneller aus der Steckdose in seiner Nähe gerissen, als ich schauen konnte. "Hey, ich will mich hier abtrocknen!" Warnsignal erkannt: Tarzan hatte einen schlechten Lauf und seine Individualdistanz spontan auf deutlich mehr als einen Meter ausgeweitet. Sorry, du Mensch, mein Lauf war prima! Ausnahmen von der Regel (siehe oben) gibt es leider auch bei Läufern …