| 17:40 Uhr

Kolumne: Auf dem Laufenden
Wenn es krabbelt und kribbelt

Neubert Rainer Sport
Neubert Rainer Sport FOTO: WetterOnline
Sie sind klein, schwarz und äußerst lästig. Wenn nach heißen Tagen wie diesen das Wetter zu Gewittern neigt, wäre ein Mundschutz nicht zu verachten. Gewittertierchen sprenkeln dann in Massen die bunten Sportklamotten. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Fransenflüglige Thysanopteren – so bezeichnen Biologen die winzigen Insekten – krabbeln auf jeder freien Stelle Haut und suchen beim Einatmen den Weg in Nasenlöcher und Mund. Bei Gewitterstimmung ist das eine wirkliche Plage. Aber woher kommen die fiesen Thripse, von denen einige sogar stechen? Der Internetdienst WetterOnline hat den führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der kleinen Krabbler befragt. Der gibt zumindest in einer Hinsicht Entwarnung: Die Gewittertierchen haben es nicht gezielt auf Sportler abgesehen, um sie in den Wahnsinn zu treiben. Dass sie auf verschwitzten Läufern landen, ist eher Zufall. Denn so genau wie vermutet können sie ihren Landeplatz gar nicht ansteuern. Nach Aussage des Biologen Manfred Ulitzka werden die kleinen Insekten vom Wind getragen und können ihre Flugrichtung nur geringfügig bei schwachem Wind durch ihre Flügelstellung verändern. Sensibel sind die lästigen Minikrabbler dennoch. Sie stehen förmlich unter Strom und verändern ihr Verhalten nach den bisherigen Erkenntnissen der Forschung bei Änderungen der elektrischen Feldstärke in der Luft. Bei über 20 Grad und schönem Wetter steigen die Insekten massenweise mit der aufsteigenden Luft mehrere Kilometer in die Höhe und lassen sich von der Thermik treiben. Wenn bei Gewitterstimmung die Feldstärke von 300 Volt/Meter auf bis zu 50 000 Volt/Meter ansteigt, drohen nicht nur Blitz und Donner. Bereits bei einer Feldstärke von 8000 Volt/Meter suchen Thripse und andere kleine Insekten das Weite. Sie legen dann die Flügel an und lassen sich in die Tiefe absinken. Kommt den massenhaften Sturzpiloten dann ein Läufer in die Bahn, ist der Landeplatz quasi unausweichlich. Alles Schimpfen und Fluchen ob des lästigen Überfalls hilft demnach nichts. Und auch die Farbe des Shirts hat nur bedingt Einfluss auf die Zahl der Tierchen pro Quadratzentimeter. Nun denn. Das Motto für diese Tage steht fest: Augen zu und durch!