Traditionsreiches Pfingstsportfest im Hunsrück Von XXL-Nächten und besonderen Gästen

Kleinich · Seit 1970 richtet der TuS Kleinich sein Pfingstsportfest aus. Mancher Handballspieler absolvierte seitdem seine Spiele im Halbschlaf, und Läufer wurden durch den Wildwechsel auf der Volkslaufstrecke aufgeschreckt.

  Seit 53 Jahren organisiert der TuS Kleinich sein Pfingstsportfest, und zum 13. Mal findet dabei am Montag der Pfingstkronenlauf über fünf und zehn Kilometer statt.

Seit 53 Jahren organisiert der TuS Kleinich sein Pfingstsportfest, und zum 13. Mal findet dabei am Montag der Pfingstkronenlauf über fünf und zehn Kilometer statt.

Foto: Holger Teusch

Achtung Wildwechsel! Es war einer der ersten der sogenannten Pfingstkronenläufe, die der TuS Kleinich seit 2009 im Rahmen seines Sportfests am Pfingstmontag durchführt, als einige Läufer durch ein Reh, das kurz vor ihnen die Waldlaufstrecke kreuzte, aufgeschreckt wurden. Es gibt einige Anekdoten, von der Sabine Born erzählen kann. Immerhin gibt es das Sportfest bereits seit 1970. Ursprünglich als reines Handballturnier. „Da hatten wir noch nicht unser Kleinspielfeld“, erinnert sich Born. Die Partien wurden auf dem großen Sportplatz und unter freiem Himmel ausgetragen. Es war die Hoch-Zeit des Handballs im Hunsrück in den 80er und 90er Jahren. Mehr als 40 Teams spielten drei Tage lang von morgens bis abends.

Für manch einen war es eine Herausforderung, in aller Frühe auf dem Spielfeld zu stehen. Denn Pfingstsportfest in Kleinich, das bedeutet auch immer feiern, zuweilen bis in die tiefe Nacht. Besonders eine Mannschaft aus Hamburg ist Born in Erinnerung geblieben. „Wir hatten damals ein Weinschiff von der Mosel“, erzählt sie. Und die Hanseaten waren dem Rebensaft besonders zugetan...

Die Zeiten, in denen viele Dutzend Handballteams übers lange Pfingstwochenende nach Kleinich kamen, sind vorbei, bedauert Born. Es gibt allerdings immer noch Mannschaften, die wie die Teams aus Krefeld im Hunsrück campieren. „Besonders bei der Jugend ist es in diesem Jahr durch die Pfingstferien besonders schlimm“, verzeichnet Born einen Teilnehmerrückgang beim Nachwuchs. Viele Familien nutzen die Zeit stattdessen für einen Kurzurlaub.

Umso wichtiger ist es, dass der TuS Kleinich nie Scheuklappen anhatte, um das Sportfest attraktiv zu halten. Außer dem Handball- gibt es ein Fußballturnier. Man habe auch schon einmal einen Radwandertag organisiert. Aber als in einem Jahr bei Dauerregen nur drei hart gesottene Radler am Start waren, verwarf man dieses Angebot wieder.

Etabliert hat sich aber der Pfingstkronenlauf am Pfingstmontag. Eine fünf Kilometer und eine zehn Kilometer lange Strecke wird angeboten. Erstmals kommt nun ein Bambinilauf dazu. Die Rennen zählen zur Hunsrück-Laufserie. Damit auch jeder mitlaufen kann, der will, gab 2015 der damalige Ortsbürgermeister Erich Ströher sogar die Schuhe her. Ein Flüchtling aus Somalia kam mit Flipflops zum Lauf. Ströher lieh dem Afrikaner seine Sneaker, die dieser dann als Drittplatzierter über fünf Kilometer ins Ziel brachte. Ströher lief in dieser Zeit barfuß über das Sportfestgelände.

Nahezu jede Familie im rund 800 Einwohner zählenden Kirchspiel Kleinich (mit den ehemaligen selbstständigen Orten Kleinich, Oberkleinich, Thalkleinich, Fronhofen, Götzeroth, Emmeroth, Pilmeroth und Ilsbach) ist irgendwie am Pfingstsportfest beteiligt. „Wir haben etwa 150 Leute, die einen Dienst machen“, so Born. Die Helfer zu finden werde zwar nicht leichter, „aber wenn man bedenkt, dass wir drei Tage Veranstaltung haben, geht es eigentlich noch“.