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Crosslauf-Bezirksmeister in Schlamm und Rauch

Crosslauf-Bezirksmeister in Schlamm und Rauch

Es waren wohl die härtesten Bezirksmeisterschaften, die die Region je gesehen hat: 112 Läufer kamen in fünf Rennen ins Ziel. Katrin Friedrich und Dominik Werhan (beide Post-SV Trier) auf der Mittel- sowie Tina Wessely (Spiridon Hochwald) und Marc Kowalinski (Post-SV Trier) auf der Langstrecke heißen die Titelträger in den Hauptwettbewerben.

 Dominik Werhan vom Post-SV Trier (links) gewann 2014 das Mittelstreckenrennen bei den Bezirks-Crosslaufmeisterschaften vor Thomas Persch (TG Konz, Startnummer 9) und Benedikt Althoff (LG Bernkastel-Wittlich/29).
Dominik Werhan vom Post-SV Trier (links) gewann 2014 das Mittelstreckenrennen bei den Bezirks-Crosslaufmeisterschaften vor Thomas Persch (TG Konz, Startnummer 9) und Benedikt Althoff (LG Bernkastel-Wittlich/29). Foto: Holger Teusch
 Wo ist der Schuh? Die Bengeler Lokalmatadorin Annika Elsen war eine von zwei Läuferinnen, die im Morast einen Spike verlor, das Rennen aber troitzdem beendete.
Wo ist der Schuh? Die Bengeler Lokalmatadorin Annika Elsen war eine von zwei Läuferinnen, die im Morast einen Spike verlor, das Rennen aber troitzdem beendete. Foto: Holger Teusch
 Arbeit für die Waschmaschinen: Verdrecktes Wettkampfdress und Schuhe sind bei den Bezirksmeisterschaften im Crosslauf normal.
Arbeit für die Waschmaschinen: Verdrecktes Wettkampfdress und Schuhe sind bei den Bezirksmeisterschaften im Crosslauf normal. Foto: Holger Teusch
 Lief ein Klasserennen: Der 21-jährige Alexander Bock vom Post-SV Trier wurde über 7,6 Kilometer Zweiter.
Lief ein Klasserennen: Der 21-jährige Alexander Bock vom Post-SV Trier wurde über 7,6 Kilometer Zweiter. Foto: Holger Teusch
 Schnellste Frau im tiefen Morast: Tina Wessely (Spiridon Hochwald) ist neue Langstrecken-Bezirksmeisterin.
Schnellste Frau im tiefen Morast: Tina Wessely (Spiridon Hochwald) ist neue Langstrecken-Bezirksmeisterin. Foto: Holger Teusch
 Katrin Friedrich vom Post-SV Trier gewann 2014 den Mittelstreckentitel bei den Bezirksmeisterschaften im Crosslauf.
Katrin Friedrich vom Post-SV Trier gewann 2014 den Mittelstreckentitel bei den Bezirksmeisterschaften im Crosslauf. Foto: Holger Teusch

Eine Befürchtung bewahrheitete sich: Mit 112 Einträgen war die Ergebnisliste der Bezirkscrosslaufmeisterschaften noch kürzer, als vor einem Jahr (122). Ob nun zehn Läufer mehr oder weniger macht am Ende aber wohl nicht den entscheidenden Unterschied. Die diesjährige Meisterschaftsstrecke, die hauptsächlich über einen Wiesenhang am Ortsrand von Bengel im Alftal (Kreis Bernkastel-Wittlich) führte, war so schwer, wie noch keine Meisterschaftsstrecke zuvor. Selbst auf nationaler Ebene habe er einen so harten Parcours noch nicht erlebt, sagte Volkhart Rosch. Und der Trainer des Post-SV Trier (PST) ist seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft. Der Ehrenvorsitzende des Leichtathletikkreises Bernkastel-Wittlich Ludwig Beißel, nach dem Krieg oft bei Crossläufen in Belgien dabei, erinnert sich, dass im Nachbarland die Strecken noch brutaler sind - manchmal.

Ob der schwere Parcours potenzielle Teilnehmer abgeschreckt hat? Eher unwahrscheinlich. Im Detail war die Strecke außer den Einheimischen nicht bekannt. Wichtiger als zehn Läufer mehr oder weniger im Ziel war vielleicht, was ein Blick in die Gesichter, derer, die dabei waren, verriet: Darin war die Anstrengung abgezeichnet, aber auch der Stolz nach den ersten Titelkämpfen 2014 verriet: Egal ob vorne platziert oder "unter ferner liefen ...", die meisten Teilnehmer sahen den extremen Parcours als Herausforderung.

Das nasse Wetter der vorangegangenen Tage sorgte für viel Schlamm. Mindestens zwei Schuhe blieben im Morast stecken. Die zwölfjährige Lena Johanns beendete mit einer Socke trotzdem das Rennen als Siegerin des 1660-Meter-Laufs. "Auf dem harten Boden hat das wehgetan", sagte die Nachwuchsläuferin von der LG Vulkaneifel (LGV), die nur 17 Sekunden hinter dem schnellsten Jungen Max Laukart von der LG Bernkastel-Wittlich (BW) lag.

Auch bei Annika Elsen (BW) verschlang der Schlamm einen Spike. Die Lokalmatadorin aus Bengel bekam den Schuh allerdings für die zweiten Runde des Mittelstreckenlaufs wieder. Vom zweiten fiel die 13-Jährige allerdings auf den vierten Platz zurück. Sogar unter die besten Drei kam der zweite Bengeler Benedikt Althoff über 3320 Meter. Der 17-Jährige (14:26) musste nur dem überlegenen Mittelstreckensieger Dominik Werhan (PST/13:13) und den Jugend-Schnellsten Thomas Persch (TG Konz/13:43) den Vortritt lassen. Bei den Frauen siegte Katrin Friedrich (PST/16:24) vor der 16-jährigen Hannah Schmitt (BW/17:41) und Miriam Engel (TG Konz/17:48).

Wie schwer die Bengeler Strecke ist, zeigt sich am besten bei der Langstrecke über vier große Runden zu 1,9 Kilometer mit jeweils mehr als 60 Höhenmetern: Sieger Marc Kowalinski war beim Trierer Silvesterlauf über acht Kilometer mehr als sechs Minuten schneller gewesen, als auf der 400 Meter kürzen Strecke im Alftal! Der ehemalige deutsche Crosslaufmannschaftsmeister wurde dabei die ganze Zeit von seinem PST-Vereinskameraden Alexander Bock getrieben. "Der Endspurt hätte nach den vier harten Runden nicht auch noch sein müssen", sagte Kowa sichtlich gezeichnet. Doch der 35-Jährige musste zum Schluss noch einmal sprinten, um seinen Bezirksmeistertitel in 31:23 Minuten mit einer Sekunde Vorsprung zu verteidigen. Das entspricht einem Kilometerschnitt von über vier Minuten (4:07,8) für einen Läufer mit einer 10 000-Meter-Bestzeit von 30:32,18 Minuten (entspricht 3:03,2 Minuten pro Kilometer). Lucas Theis als Dritter in 32:08 Minuten und Stefan Andoc als Vierter in 32:39 Minuten komplettierten den totalen PST-Triumph. Erst dann folgten mit Michael Pfeil (LGV/33:08) und Dominik von Wirth (TG Konz/33:42) die ersten Nicht-PST-Läufer. Schnellster Senior war als Siebter in 34:07 Minuten Alwin Nolles von der LG Meulenwald Föhren.

Tina Wessely kam erst 20 Minuten vor dem Start in Bengel an. Die 37-Jährige war dankbar, dass Anwohner ihr halfen, die Spikenägel in ihre Wettkampfschuhe zu drehen. Auf den 7600 Metern war Wessely in 38:24 Minuten nicht zu schlagen. Laura Schmitt (40:21) wurde bei ihrem ersten Start im PST-Trikot Vizemeisterin. Die am Ende stark aufkommende Traillaufspezialistin Birthe Hilmes (LG Meulenwald Föhren/40:30) wurde Dritte und beste Mastersläuferin (ab 40 Jahre).

Weshalb war der Parcours in Bengel so schwer? Ein Läufer erzählte, dass der Puls nach dem langen und steilen Anstieg, in dem sogar der ehemalige deutsche Jugendmeister und Mittelstreckensieger Dominik Werhan ein paar Meter ging (!), auch bergab kaum runterging. Auf dem aufgeweichten Boden konnte man einfach nicht einfach "Rollenlassen" und sich so erholen. Schon gar nicht, weil die Konkurrenz im Meisterschaftskampf jede Schwächephase ausnutzt. Auf der Langstrecke summierten sich die Höhenmeter auf rund 250 auf 7,6 Kilometer Laufstrecke! "Nur die Stromschläge haben gefehlt", zog M30-Bezirksmeister Michael Laumers vom SC Bleialf einen Vergleich zum Strongmanrun am Nürburgring. Die Streckenposten, die sich meist ein Feuer zum Aufwärmen angezündet hatten, sorgten sogar dafür, dass die Läufer bei ungünstigem Wind wie beim Extrem-Hindernislauf durch den Rauch laufen mussten.