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Laufen
Wie Laufprofis auf Zeit

 Der 28 Jahre alte Vorsitzende der LG Vulkaneifel Yannik Duppich (Startnummer 1971) studiert zur Zeit in den USA und misst sich in den großen und stark besetzten Läuferfeldern mit internationaler Konkurrenz.
Der 28 Jahre alte Vorsitzende der LG Vulkaneifel Yannik Duppich (Startnummer 1971) studiert zur Zeit in den USA und misst sich in den großen und stark besetzten Läuferfeldern mit internationaler Konkurrenz. FOTO: TV / privat
Charlotte/Riverside/Mount Olive. Mit Lena Kaster, Yannik Duppich und Mirco Zenzen studieren oder arbeiten drei der besten Athleten der LG Vulkaneifel dank eines Sportstipendiums in den USA. Von Holger Teusch

Traumland USA, für einige Läufer aus der Vulkaneifel ist das Wirklichkeit geworden. Zurzeit leben mit Lena Kaster, Yannik Duppich und Mirco Zenzen drei Athleten der LG Vulkaneifel (LGV) im dem Land, das ihnen sportlich wie akademisch neue Möglichkeiten gibt. Unbegrenzt sind diese allerdings nicht.

„In Deutschland macht man den Sport als Hobby.“ Der das sagt, ist einer der besten Läufer der Region Trier: Yannik Duppich. Cross-EM-Teilnehmer, deutscher Vizemeister mit persönlichen Bestzeiten unter anderem von 14:23,68 Minuten über 5000 Meter und 30:43 Minuten im Zehn-Kilometer-Straßenlauf. Der 28-Jährige aus Gerolstein hat in Koblenz auf Lehramt studiert und nebenbei Hochleistungssport betrieben: erst kam das Studium, dann der Sport. Selbst als Duppich 2009 an den Crosslauf-Europameisterschaften teilnahm, bekam er keinen Tag frei, erzählt er. Als Student mit Sportstipendium an der Queens University in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina sei das etwas ganz anderes: „Mein Job ist Laufen und das Studium.“ Sein MBA-Masterstudiengang ist aufs Training abgestimmt.

Das bedeutet natürlich, dass Duppichs Tag durchgetaktet ist. „Wir haben feste Trainingszeiten: Morgens um halb sieben und nachmittags um halb vier“, erzählt Duppich. Training, Frühstück, Studium, Mittagessen, vielleicht ein kurzer Power-Nap (Mittagsschlaf), wieder Training und dann noch mal an die Uni. „Abends bis 20.30 Uhr Vorlesungen zu haben, ist schon anstrengend. Das war die ersten Wochen nicht einfach“, erzählt Duppich. Aber es seien Bedingungen fast wie die eines Laufprofis. Duppichs Trainer Tom Scott ist wie die anderen Coaches fest angestellt, bei praktisch allen Trainingseinheiten dabei und immer als Ansprechpartner verfügbar. „Er ist nur ein Jahr älter als ich und ist die Meile unter vier Minuten gelaufen“, erzählt der Gerolsteiner.

 Lena Kaster aus Gerolstein studiert und läuft in den USA in North Carolina.
Lena Kaster aus Gerolstein studiert und läuft in den USA in North Carolina. FOTO: Holger Teusch

In den USA seien es ganz andere Dimensionen, als in Europa, sagt Duppichs LGV-Vereinskamerad Mirco Zenzen. Seit dreieinhalb Jahren ist er in Amerika und hat sein Studium an California Baptist University in Riverside im vergangenen Mai abgeschlossen. Jetzt arbeitet Zenzen für ein Bademoden-Label in Los Angeles. „Die Systeme in Deutschland und den USA kann man eigentlich nicht vergleichen, nicht einfach pro und contra gegenüberstellen“, meint der 25-Jährige. Neben der professionellen Betreuung sei die enge Absprache zwischen Trainern und Professoren sowie die große Wertschätzung für den Sport ein Vorteil des US-Systems. Andererseits stehen die Trainer unter Erfolgsdruck. Die Wettkämpfe seien alle sehr stark besetzt. Die Ungewissheit vor einem Rennen sei groß, erzählt Zenzen: „In Deutschland kennt man die Leute fast alle. Hier kommt man zu einem Wettkampf, es läuft nicht schlecht und man wird trotzdem vielleicht 80 von 300 Startern“, sagt der Läufer, der schon 8:24,12 Minuten über 3000 Meter lief und Fünfter der deutschen Jugendmeisterschaften war.

Problematisch könne sein, dass die Trainer wissen, dass sie mit ihren ausländischen Athleten meist nur zwei Jahre lang arbeiten können, sagt Duppich. Das kann dazu verleiten, (zu) hart zu trainieren. Pauschalisieren könne man aber nichts, meint der LGV-Vorsitzende: „Es gibt viele Beispiele von Athleten, die sich in den USA stark verbessert haben. Und es gibt ebenso viele Fälle, in denen Leute verheizt wurden. Im Endeffekt kommt es auf den Trainer an.“ Ähnlich wie in Deutschland bei einem Vereins- und Trainerwechsel.

 Mirco Zenzen von der LG Vulkaneifel lebt seit dreieinhalb Jahren in den USA und konnte dank seiner sportlichen Leistung in Kalifornien studieren. Jetzt arbeitet er in Los Angeles.
Mirco Zenzen von der LG Vulkaneifel lebt seit dreieinhalb Jahren in den USA und konnte dank seiner sportlichen Leistung in Kalifornien studieren. Jetzt arbeitet er in Los Angeles. FOTO: Holger Teusch

Wie Duppich trainierte auch Zenzen in Deutschland so oft es ging mit anderen Läufern. „In der Eifel musste man aber immer selbst die Initiative ergreifen“, erzählt der Kelberger. So sei er nach Mainz und sogar nach Karlsruhe gefahren, um leistungsstarke Trainingspartner zu haben. An seiner und Duppichs Universität ist genauso wie an der University of Mount Olive (North Carolina), an der Lena Kaster Psychologie studiert, Gruppentraining die Normalität. „Mein Sportlerleben ist mit dem in Deutschland nicht zu vergleichen“, sagt die 24-Jährige aus Gerolstein. „Ich trainiere jeden Tag mit einem tollen, motivierten Team. Da ich in Deutschland fast jeden Lauf allein absolvieren musste, schätze ich es hier immer einer Gruppe und vom Coach betreut zu laufen.“ Allerdings habe sich ihr wöchentliches Kilometer-Pensum auch nahezu verdoppelt. Dazu kam eine Eisenanemie (Eisenmangel). Deshalb schlug sich das Training bisher noch nicht in bessere Wettkampfleistungen nieder. „Der Körper braucht manchmal Zeit, um sich an eine Trainingsumstellung zu gewöhnen“, glaubt Kaster. Für die Freiluftsaison sind sie und ihr Coach aber optimistisch.

Dann soll auch ihre Fünf-Kilometer-Bestzeit von 19:10 Minuten, mit der sie sich über die von den Läufern Simon Stützel (unter anderem viermaliger Gewinner des Baden-Marathons Karlsruhe) und Thomas Bojanowski (unter anderen deutscher Jugend-Hallenmeister 800 Meter) gegründete Organisation Scholarbook für ein Stipendium geworben hat, fallen. Obwohl sie sich noch nie für deutsche Meisterschaftren qualifiziert hat, kam Kaster in den Genuss eine Stipendiums. Geholfen habe ihr, dass sie bereits in Deutschland studiert habe.

Es geht aber auch ganz anders. Zenzen wagte den Sprung über den „großen Teich“ nach einer Ausbildung. „Ich konnte kaum Englisch“, sagt er rückblickend. Jetzt suche er bei Telefonaten mit der Heimat manchmal nach den deutschen Ausrücken. Seinen USA-Aufenthalt möchte er aber nicht nur auf Studium und Sport reduziert wissen. Die Erfahrungen und Kontakte, die er gesammelt habe, seien unschätzbar wertvoll.