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Das Hobby des Gehers: Läufer fangen

Ein Paar auf und neben den Lauf- und Walkingstrecken: Irene Kollig und Friedel Heinen von der LG Pronsfeld-Lünebach. TV-Foto: Holger Teusch
Ein Paar auf und neben den Lauf- und Walkingstrecken: Irene Kollig und Friedel Heinen von der LG Pronsfeld-Lünebach. TV-Foto: Holger Teusch
Burbach. Irene Kollig und Friedel Heinen aus Burbach sind spätberufene Sportler. Mit Walken, Gehen und Laufen hält sich das Paar aus der Eifel fit. Auf Mallorca standen sie gemeinsam bei einem Walking-Wettbewerb über zehn Kilometer auf dem Siegerpodest. Holger Teusch

"Es gibt nichts Schöneres als einen Sport, den man als Paar gemeinsam ausüben kann", sagt Friedel Heinen. Seit vergangenem Wochenende könnte er ergänzen: "Und gemeinsam zu siegen." Denn beim Walking über zehn Kilometer im Rahmen des Mallorca-Marathons belegten sie beide den ersten Platz. Heinen sogar schon das dritte Mal in Folge. 1:08:26 Stunden (Kollig) beziehungsweise 1:03:37 Stunden (Heinen) benötigten sie für die Strecke durch die Altstadt von Palma und entlang der Strandpromenade von S\'Arenal.
Erst Anfang Oktober hatte Irene Kollig zusammen mit dem bereits 70-jährigen Karl-Heinz Schröder aus Rommersheim den Köln-Marathon beendet - laufend. 4:41:26 Stunden benötigten die 58-Jährige und der 70-Jährige. Für Kollig war es nach einem Bandscheibenvorfall eineinhalb Jahre zuvor wie eine Wiedergeburt. Denn angesichts der starken Schmerzen habe sie im Frühjahr 2012 gedacht: "Du kannst nie wieder laufen." Dass sie die 42,195 Kilometer durch Köln nie aus dem Blick verlor, habe ihr geholfen. "Man muss selbst etwas tun und man muss ein Ziel haben", sagt sie.Spät zum Sport gekommen ´


Zum Sport kam die aus Spangdahlem stammende Frau erst spät. "Als Mädchen hätte ich gerne mit den Jungs Fußball gespielt. Aber meine Mutter hat mich direkt zurückgepfiffen", erzählt Kollig. Mit 40 begann sie, Tennis zu spielen. Als Albert Thiex von der LG Pronsfeld-Lünebach vor zehn Jahren in Dudeldorf ein Nordic-Walking-Seminar anbot, war Kollig an einem regnerischen Aprilnachmittag mit dabei. "Ich kam mit einem Schirm an, und Albert hat sich fast kaputtgelacht. Mit Schirm walken, das gehe nicht", erinnert sie sich. Nach Walken mit und ohne Stöcken nahm Kollig an einem Laufkurs teil und lernte auch das olympische Gehen.
Diese Randdisziplin ist Friedel Heinens Steckenpferd. Grundregel: Bevor ein Fuß den Boden berührt, muss das Knie durchgestreckt sein und ein Fuß muss immer Bodenkontakt haben. "Deshalb sieht es immer so aus wie der Storch im Salat", sagt Heinen lachend. Wegen des speziellen Bewegungsablaufs sei (olympisches) Gehen anstrengender als Laufen, behauptet er.
Dass er zu den Exoten unter den Ausdauersportlern gehört, ist für den 57-Jährigen kein Problem. Im Gegenteil: Er genießt es, auf seine nicht alltägliche Fortbewegungsart angesprochen zu werden und auch manchmal Läufer zu ärgern. "Bei Laufveranstaltungen ist es immer wieder schön, Läufer einzufangen." Einmal hätten sich zwei Läufer erst einmal auf den Bordstein gesetzt, als er sie, natürlich gehend, überholte, erzählt Heinen schmunzelnd.