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Der dritte vierte Platz von Hanna Kaiser bei einer DM ist der Schönste

Deutsche Leichtathletik-Jugendmeisterschaft : Der dritte vierte Platz ist der Schönste

Unglücklicher vierter Platz? Nicht für Hanna Kaiser. Die Diskuswerferin von der LG Bernkastel-Wittlich freute sich bei den deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaften mehr als manche Titelträgerin. Auch die 3000-Meter-Läufer Rebecca Bierbrauer und Simon Quint waren zufrieden.

Nach dem sechsten und letzte Versuch hat Hanna Kaiser geschrien. Nicht wie die Harting-Brüder zu deren besten Zeiten, aber so, dass es im für eine Jugend-DM viel zu stillen Rund des Heilbronner Frankenstadions doch auffiel. „Die ganze Last ist abgefallen“, erklärt die 18 Jahre alte Diskuswerferin der LG Bernkastel-Wittlich. Die körperliche Anspannung hatte sie auf ihren Diskus übertragen. Die mentale brach sich mit dem Schrei ihre Bahn.

„Ich habe gewusst: Das ist er!“, erzählt die Schülerin, dass sie noch während der Flugphase ihres ein Kilogramm schweren Wurfgeräts wusste, dass das ihr bisher bester Wettkampfwurf war. 47,02 Meter wurden gemessen. Damit verbesserte Hanna Kaiser zum dritten Mal in diesem Jahr ihren eigenen Bezirksrekord. Im Leichtathletik-Verband Rheinland warfen überhaupt erst drei Frauen weiter: Verbandsrekordlerin Lena Schallmo (Kirn/50,44 im Jahr 2015), Marion Maas (LG Loreley-Taunus/48,32 Meter 1985) und Christine Dillmann (Koblenz/47,78 Meter 1994).

Es ist also wieder der vierte Platz für Hanna Kaiser. Wie schon bei einer Jugend-DM nun schon zum dritten Mal. Diesmal waren Jule Gipmann (Goch/50,65), Pia Northoff (Wattenscheid/49,73) und Meryem Gül (Norden/48,14) besser, aber die Diskuswerferin von der Mosel freute sich wie noch über keine ihrer bisherigen „Holzmedaillen“. „Es war eine komische Saison mit Corona“, sagt Hanna Kaiser. „Aber ich kann mich nicht beschweren. Ich habe mich gut durchgebissen und wurde mit einer Bestleistung beim Höhepunkt belohnt.“

Das Besondere: Hanna Kaiser darf sich quasi doppelt freuen. Als Sportlerin und weil sie sich seit einem Jahr selbst trainiert. „Das fällt natürlich auf, wenn ein Athlet ohne Trainer da ist. Bei den drei Erstplatzierten haben außer den Heim- auch die Bundestrainer gecoacht“, erzählt sie. Hanna Kaiser informierte sich bei ihrer Mutter über den Wettkampfstand. Diese war als Betreuerin akkreditiert. Wegen der Corona-Beschränkungen kam ihr Vater nicht ins Stadion hinein. „Das war schon ein bisschen blöd. Er hat dann am Zaun gestanden und hat gesehen, wo die Disken eingeschlagen sind, aber uns Werfer nicht“, erzählt Hanna Kaiser.

„Es war sehr komisch“, beschreibt sie mit der Erfahrung von fünf Jugend-DM-Teilnahmen die Stimmung in Heilbronn. 3000-Meter-Läuferin Rebecca Bierbrauer war trotz fehlender Zuschauer begeistert. „Es war zwar relativ leer, aber im Vergleich zu Sportfesten, war die Stimmung schon klasse“, sagt die 16-Jährige vom Verein Silvesterlauf Trier.

Die Leichtathletik-DM-Debütantin war zwar nicht nur vor, sondern auch während ihres Rennens nervös, lief in 10:17,19 Minuten als Neuntplatzierte der Unter-18-Jährigen aber persönliche Bestzeit. „Mit dem Platz bin ich zufrieden. Mit der Zeit nicht so“, erzählt sie. Nach schnellem Beginn mit dem ersten Kilometer in 3:13 Minuten (fünf Sekunden über persönlicher 1000-Meter-Bestzeit!) geht aber auch die Laufzeit völlig in Ordnung.

Genauso wie 9:43,92 Minuten von Simon Quint, obwohl diese Zeit fast 40 Sekunden über seinem Hausrekord liegt. „Die sind den ersten Kilometer in 3:40 Minuten angegangen“, erklärt Quints Trainer Marc Kowalinski vom Post-Sportverein Trier. In dem taktischen Rennen mit vielen Remplern und einem unrhythmischen Rennverlauf habe sich sein Schützling gut behauptet, schon Vieles richtig gemacht und für 2021 gelernt. Erst einen Tag nach seinem Rennen feierte Quint seinen 16. Geburtstag. Er war also einer jüngsten bei der DM.

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