Der Traum von Olympia lebt

Leichtathletik : Der Traum von Olympia lebt

Jennifer Jüngling aus Platten galt als eine der besten Nachwuchsleichtathletinnen der Region, musste ihre Karriere aber vorzeitig beenden. Bei nationalen und internationalen Wettkämpfen ist sie aber trotzdem dabei.

(teu) Mit Jennifer Jüngling und Aline Petry standen bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin zwei Leichtathletinnen aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich auf der blauen Kunststoffbahn des Olympiastadions. Die aus Haag im Hunsrück stammende Petry verpasste über 400 Meter Hürden nur knapp das Finale (siehe Extra). Jüngling war an beiden Meisterschaftstagen aktiv. Als stellvertretende Leiterin des Wettkampfbüros waren die Titelkämpfe für die 30-Jährige aus Platten auch eine Art Rennen.

„Ich war das Bindeglied zwischen dem Dienstleister für die EDV und der Leichtathletik“, umschreibt Jüngling ihre Aufgabe. Sie war dafür verantwortlich, dass die Reihenfolge in den Starterfeldern richtig gesetzt wurden und letztendlich die Zuschauer im Stadion, am Fernseher oder Live-Ticker im Internet nahezu in Echtzeit die Ergebnisse korrekt angezeigt bekamen.

Eine Arbeit, die man auch im 21. Jahrhundert noch nicht allein Computern überlassen kann. Als zum Beispiel eine Kugelstoßerin zusätzlich beim gleichzeitig stattfindenden Diskuswurf antreten wollte,war bei Jüngling Fingerspitzengefühl gefragt. In der Startreihenfolge musste die Athletin jeweils so gesetzt werden, dass sie den Weg zwischen den beiden Wettkampfanlagen auch zeitlich bewältigen konnte.

Dabei hilft Jüngling ihre eigene Erfahrung als Sportlerin. Schon als Sechsjährige übte sie sich beim PSV Wengerohr im Laufen, Springen und Werfen. Als Jugendliche gewann sie Landes- und Rheinlandmeistertitel und stellte zahlreiche Bernkastel-Wittlicher Altersklassen-Kreisrekorde auf. Ihre 5,58 Meter im Weitsprung sind seit 2004 für 15-Jährige unerreicht. Doch bevor die talentierte Mehrkämpferin so richtig auf nationaler Ebene auftrumpfen konnte, ereilte Jüngling das Verletzungspech. „Ein Ermüdungsbruch in meinem linken, meinem Sprungfuß wurde lange nicht festgestellt“, erzählt sie. Das bedeutete das doppelt - körperlich und psychisch - schmerzhafte Ende ihrer leistungssportlichen Ambitionen.

Als 15-Jährige sprang Jennifer Jüngling mit 5,58 Metern den immer noch aktuellen Bernkastel-Wittlicher Kreisrekord im Weitsprung für diese Altersklasse. Foto: Holger Teusch

Es war aber das Ende von Jünglings Liebe zur Leichtathletik. Nach dem Abitur am Wittlicher Peter-Wust-Gymnasium lernte sie während eines Freiwilligen Sozialen Jahrs die Arbeit in der Geschäftsstelle des Leichtathletik-Verbands Rheinland (LVR) kennen - und blieb. „Ich wollte eh etwas in Richtung Sport machen“, erzählt Jüngling, weshalb sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation beim LVR machte und sich seitdem permanent leichtathletisch weiterbildet.

Momentan arbeitet Jüngling an ihrem A-Trainer-Schein. Schon als 17-Jährige erlangte sie unter dem Traben-Trarbacher Rolf Zang das Kampfrichterpatent. Seit 2016 gehört sie zum kleinen Kreis von 43 Nationalen Technischen Offiziellen (drei aus Rheinland-Pfalz). Als eine der Jüngsten! „Das sind schon meist gestandene Persönlichkeiten, die das oft schon seit Jahrzehnten machen“, erzählt sie über die höchsten deutschen Leichtathletik-Schiedsrichter.

Bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr in Berlin war Jüngling für die Innenraumkontrolle der Athleten zuständig. „Wir haben zum Beispiel aufgepasst, dass niemand auf seiner Ehrenrunde ins Hürdenfinale rein rennt“, erzählt sie. Der Traum von Olympischen Spielen sei immer noch wach. Auch für Technische Offizielle ist nämlich das alle vier Jahre stattfindende Sportfest das höchste, was man erreichen kann.

Mehr von Volksfreund