Die Qual, die reizt

Die Qual, die reizt

Seit Beginn der 90er Jahre war kein Sportler aus der Region unter 20 Jahren auf der Marathonstrecke so schnell wie Johannes Steinbach. Sein zweites Rennen über 42,195 Kilometer lief der 18-Jährige aus Speicher mit durchschnittlich 15 km/h.

Speicher/Hamburg. Johannes Steinbach wartete, bis er endlich volljährig wurde. Aber kaum hatte er seinen 18. Geburtstag gefeiert, stand er in Monschau, bei einem der schwierigsten Rennen Deutschlands, an der Startlinie eines Marathonlaufs. Mit 3:19:01 Stunden war er schnellster U20-Nachwuchsläufer. Dass das auch am vergangenen Sonntag in Hamburg bei seinem zweiten Marathon der Fall war, war alles andere als selbstverständlich. Erst auf den letzten fünf Kilometern überholte Steinbach Simon Müller. Der Lübecker hatte zwischenzeitlich mehr als eine Minute Vorsprung gehabt. Doch der Läufer aus der Eifel sicherte sich den U20-Sieg dank seiner gleichmäßigeren Renneinteilung in 2:48:56 Minuten mit einer halben Minute Vorsprung. Steinbachs Marathonzeit ist die beste eines unter 20-Jährigen aus der Region seit einem Vierteljahrhundert.
Was reizt den Abiturienten (mit Note 1,4) am Laufen? "Man muss sich immer wieder überwinden", sagt Steinbach. "Man quält sich und weiß schon vorher, dass alles weh tun wird." Aber gerade das sei auch die Herausforderung.Vom Fußball zum Laufsport


Schon in der fünften Klasse fiel Johannes Steinbachs Ausdauertalent seinem Sportlehrer am Trierer Max-Planck-Gymnasium auf. Doch er spielte wie viele Jungen lieber Fußball (Verteidiger), wechselte sogar für zwei Jahre vom SV Speicher zum TuS Mosella Schweich und wurde in der C-Jugend Rheinlandmeister. Steinbachs Interesse am Laufen steigerte sich, als er in die gymnasiale Oberstufe und sportlich zurück zu seinem Heimatverein wechselte. Mit Vater Willi, der beim mittlerweile aufgelösten RT Südeifel aktiv war, rannte er 2012 beim Trierer Stadtlauf erstmals Halbmarathon (in 1:38:43 Stunden). Kürzere Strecken reizten ihn bisher aber nicht. "Die längeren Strecken sind einfach etwas Besonderes", sagt Steinbach.
Auch wenn der Erfolg beim Hamburg-Marathon Lust auf mehr gemacht hat, im kommenden halben Jahr hat Steinbach erst einmal keinen Wettkampf geplant. "Treppen runter gehen hat in den ersten beiden Tagen nach Hamburg schon sehr weh getan", erzählt er. Seine Oberschenkel haben erstmal deutliche Erholung benötigt. Auch die Knie haben geschmerzt. Und die zwölfwöchige Vorbereitung mit bis zu 100 Laufkilometern pro Woche habe auch geschlaucht. Nach zwei Marathonläufen in Deutschland peile er im kommenden Jahr einen Start im Ausland an, erzählt er: "Tokio wäre in Traum."
teu

volksfreund.de/laufenExtra

Der Deutsche Leichtathletik-Verband gibt je nach Alter bestimmte Maximallängen bei Wettkämpfen vor. Marathon darf man in Deutschland ab 18 Jahre laufen. In anderen Ländern gab es diese Beschränkungen nicht. So war der Marathon im luxemburgischen Echternach in den 80er Jahren ein Mekka für Kinder und Jugendliche aus Deutschland. Die spätere deutsche und Weltrekordlerin über 100 Kilometer, Birgit Lennartz, lief hier 1981 als 15-Jährige 3:23:18 Stunden. Manuela Veith, die in den 90er Jahren bei Weltmeisterschaften das Nationaltrikot trug, debütierte als Neunjährige in 3:35:24 Stunden und lief als Zwölfjährige bereits unter drei Stunden (2:54:03). teu