Ein 70-jähriger Läufer ist oft fitter als ein 30-jähriger Sportmuffel

Ein 70-jähriger Läufer ist oft fitter als ein 30-jähriger Sportmuffel

Ausdauersportler haben ein gut trainiertes Herz. Es muss für die gleiche Leistung weniger oft schlagen als bei einem Untrainierten. Daher kann ein 70 Jahre alter Jogger ohne Weiteres deutlich fitter sein als ein untrainierter 30-Jähriger.

Jegliche körperliche oder sportliche Betätigung ist nur möglich, wenn dafür Antriebsenergie zur Verfügung steht. Der Körper gewinnt die erforderliche Energie vor allem aus den Kohlenhydraten (Zucker) und den Fetten, die mit der Nahrung aufgenommen werden oder im Körper gespeichert sind.

Die menschlichen Zellen verfügen über zwei Möglichkeiten, die benötigte Energie zu erzeugen. Zum einen "verbrennen" sie die "Kraftstoffe", indem sie dafür Sauerstoff verwenden. Zum anderen ist eine "Verbrennung" ohne Sauerstoff möglich. Man spricht daher von aerober (sauerstoffabhängiger) und anaerober (sauerstoffunabhängiger) Energiegewinnung. Der Körper bevorzugt die aerobe Methode. Dabei werden Kohlenhydrate und Fette über eine Vielzahl von Einzelschritten zu Kohlendioxid, Wasser und Energie "verbrannt". Bei großer Anstrengung jedoch, wenn wir außer Atem kommen, kann nicht so viel Sauerstoff zu den Muskelzellen transportiert werden, wie für eine saubere, aerobe Verbrennung benötigt wird. Dann schaltet der Körper notgedrungen auf die anaerobe Energiegewinnung um. Dabei entsteht allerdings als Abfallprodukt Laktat (Milchsäure), das die Muskulatur zunehmend übersäuert. "Die spürbaren Folgen sind ein unangenehmes Schweregefühl und Brennen der Muskeln bei gleichzeitiger Luftnot", erläutert der Sportmediziner Lothar Schwarz von der Saar-Uni.

Nur beim Ausdauersport ist die Zufuhr von Sauerstoff optimal. Damit das Training die erhoffte Wirkung bringt, muss ein größerer Anteil der Gesamtmuskulatur (mehr als ein Sechstel) über einen längeren Zeitraum (in der Regel mehr als zehn Minuten) mit einer bestimmten Intensität (etwa zwischen 50 und 75 Prozent des Maximums) rhythmisch und dynamisch aktiviert werden.

"Beim Gesundheitssport, bei dem überwiegend im aeroben Bereich trainiert wird, nimmt der Körper fünf- bis achtmal so viel Sauerstoff auf wie im Ruhezustand", erklärt Lothar Schwarz.

Ab dem 30. Lebensjahr jedoch nimmt diese maximale Sauerstoffaufnahme um ungefähr ein Prozent pro Lebensalter ab. Durch Ausdauertraining kann man diesen Abwärtstrend umkehren. "Freizeitsportler erreichen im Vergleich zu Bewegungsmuffeln eine um 50 Prozent höhere maximale Sauerstoffaufnahme", sagt Schwarz. Ein 70 Jahre alter Jogger hat also ohne Weiteres eine höhere maximale Sauerstoffaufnahme als ein untrainierter 30-Jähriger. Ein trainiertes Herz muss für die gleiche Leistung weniger oft schlagen. Das gilt auch im Ruhezustand. Extremer Bewegungsmangel hingegen, beispielsweise durch längere Bettlägerigkeit, reduziert die maximale Sauerstoffaufnahme bereits nach wenigen Wochen um bis zu 20 Prozent.

Markus Schwarz weist darauf hin, dass es untrainierten älteren oder gesundheitlich beeinträchtigten Menschen nicht nur an Ausdauer, sondern meist auch an Körperbeherrschung und Kraft fehlt. Dadurch kommen sie im Alltag leicht ins Stolpern. Wenn sie stürzen, sind ernsthafte Verletzungen zu befürchten. Ein Gesundheitstraining sollte neben Ausdauersport auch Koordinations-, Dehnungs- und Kräftigungsübungen umfassen. (ml)

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