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Gute Laufschuhe schützen Knie und Füße

Gute Laufschuhe schützen Knie und Füße

Für den Sportartikelhersteller Nike hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa in einer Umfrage ermittelt, dass 28 Prozent der 20 bis 50 Jahre alten Deutschen regelmäßig laufen. Das entspricht in den befragten Altersgruppen etwa zehn Millionen Gesundheits- und Freizeitläufern.

Bezieht man auch jüngere Menschen ab 14 Jahren und ältere über 50 Jahre ein, so liegt die Zahl der Läufer bei 17 Millionen, hat die Gesellschaft für Konsumforschung herausgefunden.

Für die Hersteller von Laufschuhen bedeutet dies einen äußerst lukrativen Markt. Zwei- bis dreimal pro Jahr kommen neue Laufschuh-Modelle in den Handel. Waren diese Schuhe in den vergangenen Jahren nicht selten nach rein modischen Gesichtspunkten gestaltet, so fließen heute zunehmend die Ergebnisse biomechanischer und orthopädischer Forschung in die Produktion ein. Darauf ist es zurückzuführen, dass sich der Aufbau vieler Laufschuhe geändert hat. "Hauptsächlich wurde die Dämpfung stark reduziert", erklärt der Saarbrücker Experte für Lauf- und Ganganalysen, Dr. Oliver Ludwig.

Noch vor wenigen Jahren sollten vor allem im Fersenbereich stark gedämpfte Laufschuhe das Komfortgefühl steigern und die Stoßbelastung verringern. Inzwischen ist klar erwiesen, dass die Stabilität der Ferse, auch als Fersenbein bezeichnet, unter einer ausgeprägten Dämpfung leidet.

Der Fuß setzt beim Laufen auf der Ferse auf. In der Regel ist er dabei leicht nach außen gedreht, so dass er mit dem hinteren äußeren Fersenrand aufkommt. Die Sinneszellen in der Fersensohle nehmen das Aufsetzen wahr und spannen reflexartig den Schienbeinkantenmuskel und den Wadenbeinmuskel an, die die Ferse straffziehen und stabilisieren. "Stark gedämpfte Laufschuhe verzögern jedoch diesen Muskelreflex und damit die Anspannung, wie Messungen gezeigt haben", erläutert Oliver Ludwig. "Durch die verspätete Aktivität der Muskulatur wird der Rückfuß instabil. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn der Läufer ermüdet ist oder Unebenheiten des Bodens den Tritt erschweren." Das Verletzungsrisiko steigt, und nicht selten knickt der Fuß beim Aufsetzen nach außen weg, was zu einer Überdehnung oder einem Riss des Band- und Kapselapparates führen kann.

Das ständige "Wackeln" des Fersenbeins kann zudem die Achillessehne schädigen. Die Sehne wird in ihrer Scheide, einer Art Gleitlager, unsymmetrisch beansprucht, was eine schmerzhafte Reizung hervorruft. Durch stark gedämpfte Laufschuhe ist die Zahl der Achillessehnenbeschwerden gestiegen.

Laufschuhe mit komfortablen Stoßdämpfern aus Schaumgummi, Silikon, Luft, Gas oder Gel wurden produziert, um Knochen und Sehnen beim Laufen zu entlasten. Die Rolle der Muskulatur wurde dabei allerdings nicht berücksichtigt. "Sichere, konstante Schritte sind nur möglich, wenn die Muskulatur die Gelenke stabilisiert. Dazu muss das Nervensystem die Muskeln zielgerichtet und genau dosiert aktivieren", sagt Oliver Ludwig.

Die Erkenntnis, dass bei stark gedämpften Sohlen die Sinneszellen in der Fersensohle den Bodenkontakt verspätet registrieren und weiterleiten, und dadurch die Muskulatur nicht schnell genug stabilisieren kann, bewog die Schuhhersteller dazu, auch die Funktion der Muskeln zu erforschen. Das Ergebnis sind heute härtere Schuhe, die den Bewegungsablauf der Läufer in den einzelnen Phasen besser unterstützen.