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Kindersicherheit auf dem Fahrrad
So werden Kinder fit für die Straße

Symbolbild.
Symbolbild. FOTO: Roland Weihrauch / dpa
Trier. Das Fahrrad gibt Kindern Freiheit, denn sie können sich selbstständig damit fortbewegen. Doch  das ist alles andere als ein Kinderspiel. Polizist Marko Nenno gibt Tipps, wie das sichere Fahren trainiert werden kann. Pauline Leis

Mit dem Fahrrad zur Schule, zu Freunden, aufs Fußballtraining, zur Tanzstunde, zur Eisdiele, ins Freibad, ein Fahrradausflug durch den Wald oder eine Sight-Seeing-Tour durch die Stadt. Kein Problem, oder? NIcht, so lange sie wissen, worauf im Straßenverkehr zu achten ist.Der Trierische Volksfreund hat mit Marko Nenno, dem Verkehrssicherheitsbeauftragten der Polizeiinspektion Trier, darüber gesprochen.

Wie können Kinder ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr am besten lernen?

„Hauptverantwortliche sind vor allem die Eltern und die Schule“, sagt Nenno.

Eltern Kinder sollten eine gewisse Zeit von den Eltern begleitet werden. Bei kleinen Kindern kann das Laufrad erste Grundlagen vermitteln, zum Beispiel das Gleichgewicht zu halten. Hilfreich ist es, Fahrübungen spielerisch anzubieten, Gefahrensituationen durchzuspielen und den Schulweg gemeinsam abzulaufen. Das Kurvenfahren und das langsame Radeln – es erfordert mehr Kontrolle als das schnelle Fahren – sind Elemente, die früh geübt werden sollten.

Schule Die Jugendverkehrsschule bietet den Schülern der 3. und 4. Klassen ein Fahrtraining an, das von den Lehrern mit theoretischen Unterricht begleitet wird. Verkehrserzieher wie Marko Nenno üben mit den Kindern die häufigsten Verkehrssituationen, wie das Anfahren, das Abbiegen an einer Kreuzung, das Umfahren von Hindernisen und das Überblicken des Verkehrs. Nach dem Bestehen der theoretischen und praktischen Prüfung erhalten die Kinder einen Fahrradführerschein, sie sind dann gut auf den Straßenverkehr vorbereitet. Außerdem steht allen Kindern in Trier der Schulhof der Ambrosius-Grundschule als Übungsplatz frei zur Verfügung.

Auch der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) bietet Veranstaltungen, bei denen Parcours aufgestellt sind, die dem Üben dienen. Zudem rät Nenno dazu, langsame Fortschritte zu machen und von leicht zu schwer zu steigern. „Geduld und Wiederholung ist das Wichtigste.“

Wie sollten die Kinder ausgestattet sein?

Helm „Das Allerwichtigste ist der Helm, denn das ist das Einzige, was den Fahrer bei einem Sturz wirklich schützt“, betont Nenno. Der Helm muss passgenau und darf auf keinen Fall zu groß sein. Die Trägerriemen sollten eng vor und hinter den Ohren anliegen, wobei maximal ein Finger dazwischen passen darf. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass das CE- Symbol, ein Sicherheitszeichen, im Helm enthalten ist.

Kleidung Marko Nenno rät zu heller Kleidung, die gut zu erkennen ist. Wichtig sind Reflektoren an der Kleidung, beispielsweise am Hosenbein, die das Kind auf dem Fahrrad auch bei Dunkelheit gut sichtbar machen. „Um nicht von den Pedalen abzurutschen, ist ein festes und sicheres Schuhwerk nötig, wie auch generell wetterfeste Kleidung.“

Fahrrad Um sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden, ist ein verkehrssicheres Fahrrad erforderlich.

Wann ist ein Fahrrad verkehrssicher?

„Notwendig sind zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen. Optimal ist eine Rücktritt- und Handbremse, aber zwei Handbremsen sind auch in Ordnung“, sagt Nenno. Ebenfalls wichtig: Klingel und Lampe. Vorne sollte am Fahrrad zusätzlich ein weißer und hinten ein roter Reflektor angebracht sein. An den Speichen der Reifen und an den Pedalen sind Reflektoren ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben. Auch die Größe des Fahrrads muss zum Kind passen. Die Höhe des Sattels sollte dabei an die Körpergröße des Kindes angepasst sein. So soll das Kind mindestens mit dem Fußballen den Boden erreichen können, wenn es auf dem Sattel sitzt.

Wo sollten Kinder lieber nicht fahren?

Um Sicherheit im Radfahren zu üben, ist ein fester Boden für die Kinder wichtig. Dementsprechend sollten Schotterwege, glatte Straßen und Pflastersteine vermieden werden, da sie die Radfahrer ins Rutschen und zum Sturz bringen können. Auch Gefälle sollten am Anfang vermieden werden, da die Kinder zumindest anfangs überfordert sein könnten. Schulhöfe, Spielstraßen oder Schonräume, also dort, wo die Fahranfänger den Verkehr nicht behindern und auch nicht von ihm unter Druck gesetzt werden können, sind eine gute Möglichkeit für Kinder, sich langsam auf den Straßenverkehr vorzubereiten.

Was sind besondere Gefahrenstellen für Kinder im Straßenverkehr?

Besonders gefährlich sind die Ein- und Ausfahrt in den fließenden Verkehr. Oft ist es für Kinder nicht einfach einzuschätzen, wie schnell ein Auto ist. Das Linksabbiegen ist deshalb schwierig. Denn das Kind muss gleichzeitig auf den Gegenverkehr achten, Handzeichen geben, fahren und das Gleichgewicht halten. Auch das Rechtsabbiegen macht Kindern oft Angst. Autofahrer können Radfahrer wegen des „toten Winkels“ übersehen. Außerdem kann ein zu geringer Abstand gefährlich werden, sei es zum vorderen Auto oder auch zum Straßenrand. Kinder müssen trainieren, auf mehrere Dinge aufmerksam zu sein, auf Parklücken, private Einfahrten, parkende Autos oder sich möglicherweise öffnende Autotüren.

Ab wann dürfen Kinder wo mit dem Fahrrad fahren?

Grundsätzlich müssen Kinder im Alter bis acht Jahre auf dem Gehweg fahren, bis zum 10. Lebensjahr ist ihnen das erlaubt. Eine Begleitperson, die mindestens 16 Jahre alt ist, darf das Kind auf dem Gehweg mit dem Fahrrad begleiten. Wenn das Kind mit den Verkehrssituationen vertraut ist, sie erkennt und angemessen auf sie reagieren kann, ist es bereit für den Straßenverkehr.